Donnerstag, 23. Januar 2014

Sport oder nicht Sport, das ist hier die Frage.... Eine Überlegung zum Kindersport

Meine Kinder spielen Handball und Handball und Handball. Und der Kleine auch Golf. Warum ich Euch das erzähle? Weil meine Leserin Anna mir geschrieben hat, dass ihre Kinder gerade gar keine Lust haben, Sport zu machen, und sich gar nicht aufraffen können. Und das findet sie schade. Ein Grund, mal darüber zu schreiben, und wie ich darüber denke.

Die Jungs gehen total auf in ihrem Sport und sind eigentlich nur so richtig glücklich, wenn sie zum Training gehen können. Die Tage dazwischen sind die Tage dazwischen. Sie dienen der Erholung, dem Verabreden, dem Nichtstun (ich finde ja auch dem Hausaufgaben machen, aber da sind wir nicht immer der gleichen Meinung).

Die vielen Vorteile, die Sport so mit sich bringt, kennen wir alle: er hilft ihnen, sich abzureagieren, Dampf abzulassen, Aggressionen abzubauen, Disziplin und Ehrgeiz in vernünftigem Maße kennenzulernen. Er zeigt ihnen, dass es mal auf und mal ab geht, dass man Erfolg hat, wenn man trainiert, dass es sich lohnt, zu kämpfen, dass eine Niederlage nicht dazu führt, dass die Welt untergeht. Und schon beim nächsten Mal kann daraus ein Sieg werden. Das finde ich super. Ganz zu schweigen von der körperlichen Fitness und dem Wohlbefinden, von den sozialen Kontakten, auch außerhalb der Schule, ganz zu schweigen von der Alternative zum Medienkonsum.

Ich finde es toll, dass sie ihren Sport für sich gefunden haben und dass sie sich so sicher sind, was zu ihnen passt, aber das war natürlich nicht immer so. Im Laufe der Zeit haben sie vieles ausprobiert. Jungentypisch natürlich Fußball, aber auch Tennis, Schwimmen, Turnen, Leichtathletik. Geliebäugelt wurde mit Kung Fu und Judo und Karate. Sogar Einrad fahren war mal kurz Thema. Nicht immer alles gleichzeitig, manches aber schon.

Aber natürlich sind nicht alle Kinder so bewegungsenthusiastisch, dann wäre es ja einfach und man müsste einfach nur auswählen. Manche Kinder haben halt auch gar keine Lust. Sie wollen einfach NICHTS machen. Woran liegt das? Und: was kann man da machen?

Haben sie den richtigen Sport noch nicht für sich entdeckt? Sind sie unentschlossen. Haben sie vielleicht Angst, sich mit vielen Kindern in einer Mannschaft zu arrangieren? Kinder sind so unterschiedlich wie die Sportarten. Falls Ihr Euch als Eltern nicht sicher seid, welche Sportart sinnvoll und passend wäre, könnt Ihr vielleicht mal diesen Test machen. Da werden die Grundsportarten gecheckt. Aber vergesst nicht, wenn Fußball nichts ist, könnte Basketball, Handball, Volleyball, Hockey vielleicht etwas sein? Ballett könnte vielleicht auch HipHop, Volkstanz, Eiskunstlauf oder Cheearleading werden? Die Liebe zum Wasser könnte man auch beim Segeln ausdrücken? Judo kann auch Karate, Taekwandou oder Kung Fu sein? Und wenn das Kind zwar Ballsport mag, sich aber nicht in einer Mannschaft behaupten möchte/ kann, wäre neben Tennis ja auch noch Tischtennis oder Golf eine Sportart, in der man Einzelkämpfer sein darf. Turnen und Leichtathletik sind Sportangebote, die hier bei uns sehr spielerisch anfangen. Das ist mehr wie sporteln, dass sich nach und nach in eine bestimmte Richtung bewegt, ohne dass die Kinder es wirklich merken. Geht auch ruhig ungewöhnliche Wege, bietet Skaten oder Biken an. In der Nähe einer Skihalle oder der Berge ist auch Skifahren sicherlich super. Lasst auch Mädchen Fußball spielen und Jungen reiten. Und bezieht die Kinder mit ein, habt ein Ohr für sie. Und aus Erfahrung weiß ich: wenn Fussball nichts ist, heißt es nicht, dass andere Ball-Mannschaftsportarten nicht vielleicht der Renner sein können.

Die Kinder finden ihre Sportart im Laufe der Zeit. Wir Eltern können ihnen helfen, indem wir ihnen Möglichkeiten bieten. Wir haben die Übersicht über Sportarten und Angebote. Wir können für Sie Sportvereine ausfindig machen und sie ermutigen. Vieles können sie auch im Schulsport nach und nach für sich entdecken. Lt. Experten ist die Spezialisierung auf eine Sportart auch sowieso erst ab ca. 10 Jahren sinnvoll. Vorher ist vielfältiges Experimentieren für den Körper sogar besser. Aber wir sollten es nicht übertreiben.

Ich bin überzeugt, dass manche Kinder tatsächlich nicht für den Sport geboren wurden. Wenn sie ansonsten aber trotzdem draußen spielen, klettern, Trampolin hüpfen, toben, Radfahren, Rollschuhfahren, etc., warum sollte das dann ein Problem sein? Gewisse Dinge müssen sie können, aber wenn wir ehrlich sind, ist so ein Nachmittag im Winter draußen toben, rennen, sich im Schnee kugeln, oder was auch immer, nicht genauso gesund wie eine Stunde Fußballtraining in der miefigen Halle? Ja, die Kinderärzte plädieren für Sport, sämtliche Fachleute auch. Bei den U-Untersuchungen wird regelmäßig danach gefragt und es wird der Eindruck vermittelt, Sport wäre so wichtig wie Essen und Trinken. Ich bin kein Arzt und auch kein Fachmann, aber ich bin eine Mutter, die weiß, dass das Leben mit und von Kindern nicht nur schwarz und weiß ist. Ich weiß, dass Sport wichtig ist, aber ich weiß auch, dass manche Kinder einfach nicht glücklich sind damit. Egal, wie wichtig wir es finden, sie fühlen sich damit nicht wohl.

Und ganz ehrlich. Wie schon so oft gesagt, gilt es auch für den Sport. Die Kinder müssen sich wohl fühlen und sollten damit glücklich sein. Zwingen kann nicht gut sein. Bewegung ist wichtig und Sport auch. Aber nicht um jeden Preis. Manchmal verlangen wir etwas von Kindern, was wir Erwachsene für wichtig erachten, was wir für uns selbst aber auch schon mal ganz anders entscheiden. Ich darf mich mal vom Sport ausklinken, dafür aber viel Spazieren gehen, um aktiv zu bleiben, für mein Kind reicht mir toben nicht, das schleife ich zum Sport? Wisst Ihr, was ich meine? Sport ist nicht alles. Wenn ein Kind sehr musisch ist, ein Instrument spielen möchte oder schön malt, warum sollte man das nicht fördern und akzeptieren, dass es eben nicht die große Sportskanone ist? Ist das eine besser als das andere? Eine Balance wäre gut, klar, rational bin ich voll dabei. Was ist aber, wenn das Kind diese Balance absolut nicht nachvollziehen kann?

Bei uns ist zum Beispiel im Laufe der Zeit die Musik hintenüber gefallen. Max hat Gitarre gespielt, Felix Klavier. Doch mit zunehmendem Druck in der Schule wollten sie eine Pause. Ich fand das sehr schade, denn Musik ist toll. Aber, nach einem guten Gespräch durften sie es selbst entscheiden und haben zugunsten des Sports entschieden.

Nichts ist verloren, keine Aktivität ist umsonst. Die Kinder lernen daraus, wo ihre Stärken und Schwächen sind, was ihnen Spaß macht. Ich bin überzeugt, dass dadurch ein gutes Fundament gelegt ist. Das ist unsere Aufgabe als Eltern. Der Rest ergibt sich. Denn egal ob Musik, Kunst oder Sport, wir dürfen nicht vergessen, es sind 'nur' Hobbyangebote. Kindergarten und Schule sind Pflicht. Die Hobbys dienen der reinen Freude und Entspannung.

Und vor allem sollten wir nicht mit zweierlei Maß messen. Fassen wir uns an die eigene Nase. Manchmal haben wir eine stressige Phase. Wir haben viel um die Ohren und irgendwann ist uns der Sport, der uns gut tut und wichtig ist, auch mal eine Zeitlang total egal. Dann sind wir froh, wenn wir abends auf dem Sofa liegen und mal eine freie Minute haben. Nichts Tun zu müssen, tut auch gut. Und dann, früher oder später sind wir wieder entspannter und fühlen uns ohne Bewegung schlecht. Dann starten wir wieder durch. Und genau das sollten wir bei unseren Kindern doch auch zulassen. Ich bin sicher, dass ihr Dasein echt stressig ist. Auch schon, wenn sie im Kindergarten sind. Vielleicht sind sie die ganz Kleinen, müssen sich ihren Platz in der neuen Welt erst erkämpfen. Bekommen so viel Input, da passt nachmittags gar nichts mehr rein. Oder sie sind eben die Großen, die alles können müssen, andere Pflichten haben, den Kleinen helfen sollen, vernünftiger spielen sollen, Schulkinderstunden haben. Puh, was für eine Anforderung. Von dem Start in der Grundschule müssen wir gar nicht reden. Still sitzen, sich organisieren, Pausen einhalten, nicht quatschen, neue Kinder, Lehrer, eine große Menge an Menschen, vom Lernen ganz zu schweigen. Ist das nicht super stressig?

Und es nimmt ja kein Ende. Dann kommen die ersten Noten, dann sind sie wieder die Großen, und dann, dann kommt der Schulwechsel. Ich habe mal gelesen, dass der Übergang von der 4. Klasse zur weiterführenden Schule der größte Einschnitt für die Kinder ist. Größer noch als der Schuleintritt in die Grundschule! Das hätte ich nicht gedacht. Aber auf einmal treten sie ein in die "echte" Welt. Raus aus der behüteten, kümmernden Grundschule, wo man sich auch noch mal auf den Schoß der Lehrerin setzen darf. Da gibt es Mediaboards für Vertretungspläne. Da kümmert die Lehrer häufig der Stoff und nicht das Kind. Da wird Leistung mehr gefordert als Individualität.

Da kann es doch schon mal Phasen geben, in denen die Kinder nur noch ihre Ruhe haben wollen. Nachmittags Löcher in die Luft gucken wollen, abhängen, spielen, ein paar stressfreie Stunden brauchen. Das darf dann auch so okay sein, oder? Denn es kommen ganz sicher auch wieder andere Zeiten. Und wenn nicht? Mmmmh, wäre das soo schlimm? So schlimm, dass wir sie zum Sport "zwingen", weil wir denken, dass es ihnen gut tut? So schlimm, dass wir neben der Schule einen weiteren Stresspunkt einführen? Für wen eigentlich?

Liebe Grüße von
Sandra

PS: Dieser Post setzt voraus, dass sich die Kinder normal entwickeln. Dass sie soziale Kontakte haben und normal ernährt sind. Dass sie am Schulsport teilnehmen, dass  sie motorisch auf einem normalen Stand sind und auch sonst keine Probleme haben. Natürlich brauchen Kinder in besonderen Situationen auch besondere Anforderungen.



Kommentare:

  1. Liebe Sandra, ich bin ganz Deiner Meinung: Sport ist in vielerlei Hinsicht sehr wichtig. Oder vielleicht sollte man das Wort "Sport" besser durch "Bewegung" ersetzen. Klar ist es auch für die Sozialkompetenz usw. förderlich, in einer Mannschaft zu spielen, aber das ist nur ein positiver Nebeneffekt. Bewegung dagegen ist für körperliches Wohlbefinden und Gesundheit unabdingbar. Und zwar nich nur für Kinder! Ich habe als Kind keinen Sport gemacht, ich mochte den Wettbewerb nicht. Das ist heute noch so...also das mit dem Wettbewerb ;). Deshalb mache ich auch Aerobic und laufe, das macht mich glücklich. Ich habe bei meinen Kinder Bewegung von Beginn an gefördert, bin mit ihnen ins Schwimmbad und zum Zwergenturnen. Mein Großer schwimmt wie ein Fisch, das ist sein Sport und das hat er ganz allein herausgefunden. Meine Tochter wollte jetzt von sich aus gerne wieder zum Turnen. Darüber bin ich sehr froh. Aber erzwingen kann man gar nichts. Wie und wo wir uns bewegen ist eigentlich egal, hauptsache wir tun es, und an der frischen Luft ist es am besten ;). Allerliebste Grüße und dankeeeee für die Karte! Genau mein Motiv, ich hab mich sooooo gefreut!! Rieke

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  2. Deine Erfahrungen kann ich bestätigen.
    Ausprobieren lassen finde ich besonders wichtig.
    Mein Großer hat schon Judo, Basketball, Volleyball und Handball durch. Es kam auch immer auf den Trainer und den Ort an.
    Basketball ist seine größte Liebe geblieben, obwohl er eigentlich gar nicht die körperlichen Anlagen dazu hat (man stellt sich ja immer Riesen vor).
    Die Kleine hat es immer mit Tanz und rhythmischer Bewegung.
    Ich mag es gerne, wie du die Dinge mit den Kindern siehst! Lg

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