Sonntag, 12. Januar 2014

Wir sind perfekt!


Mittlerweile habe ich gelernt, dass es im Leben ein bisschen so ist wie in der Geschichte vom alten Mann, der zusammen mit seinem Enkel und einem Esel durch's Land zieht. Jeder hat an der Art und Weise, wie die Beiden reisen, etwas auszusetzen. Die einen kritisieren den Jungen auf dem Esel, die anderen den Alten. Die dritten lachen sich über beide kaputt, wenn letztlich keiner auf dem Esel sitzt. Und genau so ist es doch auch. 


Irgendjemand hat doch immer was zu meckern. Perfekt und recht kann man es doch keinem machen. Höchste Zeit also, dass wir uns um uns selber kümmern und uns überlegen, was eigentlich für UNS der richtige Weg ist, was für UNS perfekt ist.
In den Medien und in der Werbung bekommen wir ja so Einiges dazu erzählt, und vieles davon setzt mich doch ehrlich gesagt, ganz schön unter Druck. Denn selbst in der "Brigitte", die damit wirbt, nicht mehr professionelle Models sondern 'echte' Frauen einzusetzen, werden nur Frauen gezeigt, die groß und schlank sind, nie mehr als Größe 36/38 tragen, aufopferungsvolle Mehrfachmütter sind und nebenbei noch total interessanten Berufen nachgehen. Sie sind glücklich und entspannt, toben mit den Kindern, arbeiten im Garten, treffen sich mit Freunden, machen mehrmals die Woche Sport und haben jede Menge romantische Dates mit ihren Männern. 
Und ich? 
Oder wir hören von Müttern, die Beruf und Berufung für ihre Kinder aufgeben und als Vollzeitmütter niemals überfordert und ständig überglücklich sind. Um sich dann vielleicht mal in eine ganz neue Aufgabe zu stürzen, in der sie aber sofort wieder erfolgreich sind, während sie oben genanntes natürlich alles nebenbei noch wuppen. Ja, klar!

Alles ist immer extrem und in so ein Raster passe ich nicht. Ich bin eine Mutter, die ihre Kinder über alles liebt, die aber trotzdem am ersten Kindergartentag morgens nach Hause zurückgekommen ist, das Radio unendlich weit aufgedreht hat und laut gesungen und getanzt hat bis die Möbel wackelten, um dann um 12.00 die Kleinen stolz und überglücklich wieder abzuholen und einen schönen restlichen Tag mit ihnen zu verbringen. Ich bin eher von allem etwas, und bei weitem nicht Madame 100%.

Wir dürfen uns einfach nicht unter Druck setzen lassen. Denn Druck erzeugt Gegendruck. Dazu habe ich kurz vor Weihnachten von meiner Bloggerfreundin Susanne einen Link geschickt bekommen, in dem eine Mutter zur Gegenbewegung aufruft. "Lasst uns alle unperfekt sein, mit nicht gemachten Betten, gekauften Plätzchen und Fertigessen."

Ganz ehrlich, ist das sinnvoll? Das erzeugt doch wieder Stress und erhebt Ansprüche auf unser Verhalten, auf unsere Gedanken. Ich möchte weder in Highheels kochen, noch ungemachte Betten haben. Ich möchte nicht immer das Gefühl haben, einem Trend folgen zu müssen. Und vor allem möchte ich mich gut fühlen. Das ist doch wohl unser gutes Recht, oder? Uns einfach wohl zu fühlen, so wie wir sind, so wie wir leben wollen.

Und wäre das dann nicht perfekt? Sich wohl zu fühlen in seiner Haut und seinem Leben? Das wäre zwar nicht die Art von Perfektion, die uns Andere weismachen wollen, aber es wäre doch UNSERE Perfektion.
Wofür haben die Soufragetten in England gekämpft, ist Alice Schwarzer um die Häuser gezogen? Dafür dass wir uns jetzt von den MEDIEN sagen lassen, was gut und richtig ist? Oder von anderen Menschen? Das wissen wir doch selber eigentlich ganz genau!

Lasst uns also einfach mal überlegen, was uns persönlich Stress macht, was Ansprüche sind, die von außen an uns herangetragen werden und was unsere eigenen Ansprüche sind. Ich bin zum Beispiel sehr ordentlich. Mich stresst Unordnung und Unsauberkeit bei mir zuhause unglaublich. Ich wäre nicht glücklich, hier zu leben mit nicht gemachten Betten und nicht aufgeräumtem Wohnzimmer. Deshalb räume ich jeden Morgen schnell alles auf. Das stresst mich nicht. Dann bin ich entspannt. Das ist ja nichts, was andere von mir wollen, das möchte ich. Wenn es aufgeräumt und sauber ist, kann ich durchatmen und fühle mich wohl. Unordnung bei Anderen dagegen lässt mich völlig kalt.
Leben und leben lassen. Und wenn jemand gerne im Seidenkleid kocht und sich damit gut fühlt - natürlich nicht für die Zeitung, sondern echt, in der eigenen Küche - oder sich einfach ständig sexy fühlen möchte und immer Highheels trägt, so what. Dann ist das für SIE perfekt. Ist doch schön. Für mich sind ganz oft Jogginghosen perfekt. Ganz anders, ja, aber genauso perfekt.

Für mich ist Perfektion nicht negativ (und ganz ehrlich, Perfektion ist auch einfach per Definition NICHT negativ, oder?), denn ich definiere sie einfach nach meinen Maßstäben. Für mich ganz allein. Und das solltet Ihr auch. Lasst uns mal überlegen: Wie sieht für mich eine perfekte Familie aus, ein perfekter (All-)Tag? Eine perfekte Woche, ein perfekter Urlaub, ein perfektes Wochenende? Perfekte Beziehung? Perfekte Familienfeste? Perfekte Entspannung? Nicht für andere, sondern für UNS? Und wenn wir uns darüber klar sind, können wir doch wunderbar danach streben. Dann haben wir einen Lebensplan, den wir täglich verfolgen, aktualisieren, auch überdenken und anpassen können. Ein Gerüst, das hilft und stützt. Das klappt nicht immer, manchmal läuft es einfach nicht rund. Krankheiten, schlechte Laune, Hausaufgaben, Müdigkeit, zu viel Arbeit und und und spielen uns nicht immer in die Karten. Aber Perfektion im Sinne von entspanntem Glück ist es doch wert, angestrebt zu werden. Das ist nicht negativ, denn Glück und Entspannung setzen nicht unter Druck. Und ob das für den einen viele Kinder, für die andere ein ausgefülltes Berufsleben ist, ob jemand viele Tiere hat oder gerne reisen möchte, viel liest oder gerne fernsieht, schöne Sachen kauft oder gerne alles selber macht. Alles ist gleich gut. Es muss nur jeden persönlich gut passen.

Und wenn wir am Kindergeburtstag für uns entscheiden, keinen Kuchen zu backen, weil wir in der Zeit lieber mit den Kindern spielen, dann sollten wir dabei nicht die Fahne schwenken und jubeln, wie toll unperfekt wir gerade sind. Nein, dann sind wir perfekt, denn wir haben das bewusst für uns entschieden. Wenn wir aber gerne Kuchen backen und tolle Basteleien vorbereiten, uns das ganze Jahr darauf freuen, dann müssen wir uns deshalb auch nicht schämen. Das ist genauso perfekt, denn wir sind glücklich dabei. Alles geht. Alles ist gut. Solange wir uns nicht von den Anforderungen und Wünschen anderer beeinflussen lassen oder in unserem Denken starr werden.

Machen wir uns also frei von den Ansprüchen anderer! Planen wir unser Leben für UNS. Und wenn wir dann wissen und entscheiden, was UNS gut tut, dann ist DAS perfekt. Auch mit ungebügelter Wäsche oder gar keinem Job.

Liebe Grüße von
Sandra

PS: Etwas, das hier allerdings nicht perfekt ist, ist definitiv das Layout heute…Aber so sehr ich mich bemühe, ich bekomme die großen Abstände heute nicht weg. Woran das liegt? Keine Ahnung! …...

Kommentare:

  1. Manchmal sind ungewollte große Abstände genau richtig, um Platz für Denkpausen zu haben. Danke, Sandra!

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  2. Liebe Sandra! Gefällt mir ;o) In meiner Kindheit und Jugend habe ich die Hemden nur gebügelt, wenn ich dabei Mamas Lackschuhe tragen durfte...mittlerweile stehen keine Lackschuhe mehr zur Vefügung und mein Lebenspartner muss seine Hemden in die Reinigung bringen. Daran musste ich gerade mit einem Schmunzeln denken als ich las "kochen im Seidenkleid" Einen schönen Sonntag wünscht dir Simone

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  3. Ganz genau!
    Mich nerven diese ständigen medialen und gesellschaftlichen Strömungen, die man immer eingetrichtert bekommt.
    Ehrlich - in meinem Umfeld hier in unserem Viertel, erlebe ich eigentlich recht zufriedene und sicherlich nicht perfekte Mütter, während mir im Fernsehen und Zeitschriften immer von den gestressten Frauen erzählt wird.
    Vielleicht ist das Geheimnis, vom Leben nicht a l l e s haben zu wollen und es nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten.
    Allerdings denke ich, dass man zu diesen Einsichten (leider) erst jenseits der 35 oder 40 Jahre kommt. Leider oder auch gut so, damit sich wenigstens dafür das Älterwerden lohnt ;-) so nach dem Motto " mit Falten, aber klug." Lg und einen guten Wochenstart

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  4. Meine Liebe! Eigentlich geht es doch nur um eines: glücklich zu sein. Ich bin glücklich so wie ich lebe. Und was andere Leute über mich denken, geht mich eh nix an ;). Liebste Grüße, Rieke

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  5. Liebe Sandra,
    toll geschrieben! Das zeigt mir mal wieder, dass man so ist, wie man ist. Und genau diese Persönlichkeit muss man ausleben. Darauf kommt es an. Nur so kann ma glücklich sein! Es bringt nichts, den Idealen anderer hinterher zu rennen. Die kann man eh nicht erfüllen, wenn man nicht selbst davon überzeugt ist. Ich bin, wie ich bin. Und ich lebe auch nach diesem Prinzip. Trotzdem komme ich manchmal ins zweifeln, wenn andere irgendwas anders machen, anders denken etc. Aber das muss ich nicht. Tun, was sich gut anfühlt. Das ist wichtig und richtig. Danke, du hast mir heute ein Stück weit die Augen geöffnet.

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  6. Sehr schön geschrieben, danke.

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  7. Ein toller Artikel!!! Macht nachdenklich und stößt an, mal wieder mehr die zu sein, die man selbst sein möchte - unabhängig von der Erwartungshaltung anderer! Vielen Dank! Alles Liebe, Stephie

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  8. Bravo!!!
    ...und ich fand die größeren Abstände übrigens sehr angenehm zum Lesen ;o) .
    LG Katharina

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