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Dienstag, 12. November 2013

Schönheit. Innen und außen. Früher und Heute. Schwierig, oder?

In der letzten Woche habe ich Madonna in einem Interview gesehen. Und Dagmar Berghoff in einer Talkshow. Ich muß gestehen, ich war von beiden geschockt. Früher fand ich beide Frauen sehr attraktiv, aber davon ist jetzt nicht mehr so viel übrig. Leider. An den Gesichtern ist so viel geschnitten und gespritzt, sie sehen aus wie Masken, noch dazu leicht geschwollen, finde ich.

Zum Glück stehe ich nicht im Rampenlicht und muss mir daher auch nicht permanent Gedanken machen, ob ich für den nächsten Job noch gut genug aussehe. Ob ich noch in ein bestimmtes Schema passe oder morgen kein Gehalt mehr bekomme, weil meine Haut schlaffer wird. Dieser Druck ist mir fern und dafür bin ich auch sehr dankbar. Ich verurteile sie und ihre Handlungen auch gar nicht, denn es ist wahrscheinlich für die meisten Schauspielerinnen das Karriere-Aus, wenn sie sich dem Jugenddiktat nicht beugen. Um da nicht schwach zu werden, braucht man schon einen sehr starken Charakter.

Und obwohl ich diesen Druck nicht habe, und vielleicht auch, weil wir in den Medien immer alterslose Damen präsentiert bekommen, ist es auch für mich schon manchmal schwer zu ertragen, dass ich nicht mehr so knitterfrei bin, wie vor 10 Jahren, dass man mir eine lange Nacht, erst recht ein hartes Wochenende nicht nur am Montag, sondern oft auch noch am Dienstag im Gesicht ablesen kann. Dass ich manchmal das Gesicht vor dem Spiegel hin und her drehe, um den Lichteinfall möglichst optimal ausnutzen zu können, damit die ein oder andere Falte nicht zu sehen ist.

Ich habe Schlupflider und Lachfalten. Ich habe Furchen von der Nase bis fast zum Kinn und immer öfter ertappe ich mich dabei, wie ich meine Augen zusammenkneife und dann die zwei Falten zwischen den Augen spüre.

Und ganz ehrlich, auch literweise Wasser trinken und Obst essen, haben mir noch keine Falte weggezaubert. Das ist doch alles gelogen.

Mit 20 und auch mit 30 war das alles anders. Ich hatte lediglich eine Ahnung von Schlupflidern - sonst nichts.



Aber dank der modernen Medizin muss das ja alles gar nicht mehr sein. Wir können mit 50 genauso aussehen wie mit 20. Eine Verlockung, oder? Und der kann auch ich mich nicht immer  so ganz entziehen. Ich hätte gerne KEINE Schlupflider und KEINE Falten um den Mund herum. KEINE Falten zwischen den Augen und KEINE Hängebäckchen.

Aber ich bin ein Angsthase, und deshalb sehe ich immer noch so aus wie ich nun mal aussehe. Mögliche Risiken und Nebenwirkungen sowie fehlende Langzeitstudien stehen bei mir in der Reihe immer ganz weit VOR schönerem Gesicht. Da habe ich immer Friseurbesuche im Kopf, bei denen ich mal etwas gewagt habe, und dann heulend im Auto dachte, dass es doch vorher eigentlich ganz okay war.... Da bin ich überhaupt nicht mehr experimentierfreudig.

Und wenn das Gesicht dann wieder top in Schuß ist, muss dann nicht auch zwangsläufig der Rest folgen? Sollte denn der Hals aussehen wie Omma während das Gesicht einem Babypopo gleicht? Und der Busen? Und der Hintern? Die Knie? Die Hände?

Bei einer Autofahrt in den Herbstferien habe ich mit Max über Schönheit gesprochen. Und irgendwie ist mir dabei Einiges klar geworden.

Ja, ich sehe nicht aus wie 20, davon bin ich ganz weit weg. Und auch nicht mehr wie 30. Aber das bin ich ja auch nicht mehr. Wenn ich mir aussuchen könnte, wie alt ich gerne wäre, würde ich dann gerne noch mal Ende 20 sein? Zu der Zeit war ich zwar schon verheiratet, aber so richtig wusste ich noch nicht, wo die Reise hingehen wird. Würden wir überhaupt Kinder bekommen? Eine Familie werden? Wo würden wir leben? Wir hatten ein Haus, aber noch kein richtiges Zuhause.

Jetzt, ungefähr 13 Jahre später und um einige Falten, aber auch um viele wunderbare Erlebnisse reicher, weiß ich das. Ich bin angekommen in meinem Leben. Ich habe eine tolle Familie, ein schönes Zuhause. Ich weiß, was ich möchte, was und wer mir gut tut, wofür es sich zu kämpfen lohnt, was ich gar nicht mehr brauche und was ich auf jeden Fall noch gerne erleben und erfahren möchte. Ich habe eine gute Idee, wohin die Reise des Lebens mich führen soll und weiß, dass es trotzdem auch noch viele Überraschungen geben wird.

Ich habe gelernt, dass auch Schwierigkeiten und ganz traurige Momente zu schaffen und zu überstehen sind und weiß absolut genau, was wirklich zählt im Leben. Ich habe sehr gute Freunde, und bin darüber sehr glücklich.

Quelle: pinterest.com


Und irgendwie sieht man das in meinem Gesicht. Das ist schon lange keine weiße Leinwand mehr, sondern gleicht mehr und mehr einem Bild, dass zwar noch lange nicht fertig ist, bei dem man aber schon erkennen kann, dass der Maler sich intensiv damit beschäftigt hat. Okay, er hat nicht alles tiptop hinbekommen, aber zum Gesamtbild passt es irgendwie.....

Möchte ich also ein altersloses Gesicht haben, in dem man nicht sieht, wie viel ich schon gelacht habe, wie oft ich schon glücklich war im Leben? Möchte ich so stramm gezogen sein, dass man nicht mehr erkennen kann, ob ich lache, oder ob ich gerade sauer bin?

Hey, wir leben im Jahr 2013 - man kann alles haben! Kinder, Erfahrungen, Geschichte, und Jugend. Aber muss das sein? Ist das immer erstrebenswert?

Natürlich gibt es, wie bei allem im Leben, nicht nur schwarz und weiß. Man kann ja zum Beispiel auch nur ein bisschen machen lassen, und das kann dann auch wirklich schön aussehen. Es geht ja nicht nur Maske oder Runzeln. Das muss Jeder für sich selbst entscheiden, denn das Wichtigste ist, dass man sich gut fühlt. Ich verurteile gar nichts. Und natürlich, und auf KEINEN Fall, freue ich mich über Falten! Ich versuche nur zu akzeptieren, dass sie ein Teil von mir sind. Es gelingt noch nicht immer, aber ich arbeite daran.

Denn, was passiert ansonsten mit meinem Gesicht in 15 Jahren?  Zahlen mir Haut und Nerven zurück, was ich mit ihnen gemacht habe? Und ich hätte neben den Nebenwirkungen auch die Sorge, dass ich diesem Schönheitsgedanken vielleicht irgendwann mehr verfallen würde als es gut tut. Und am Ende sehe ich so aus wie einige Schauspielerinnen, die ich früher immer ganz toll fand. Du meine Güte, sind das jetzt traurige Gestalten, eher Fratzen als Gesichter.

Ich möchte eigentlich ein Gesicht haben, in dem man sehen kann, dass ich zwar lange nicht perfekt bin, aber doch Gefühle habe. Und vor allem, dass ich lebe. Ich möchte, dass mein Gegenüber sieht, ob ich glücklich, traurig oder sauer bin, möchte mich nicht hinter einer zwar wunderschönen, aber eben doch einer Maske, verstecken.

Wäre ich 20, hätte ich ganz viele Dinge noch nicht erlebt. Ganz viele Erfahrungen noch nicht gemacht. Versteht Ihr, was ich meine? In meinen 20ern war auch nicht alles toll. Das Leben war kein Spaziergang durch's Schlaraffenland, ich bin nicht jeden Morgen glücklich aufgestanden und fand alles leicht und wundervoll.

Es ist vielleicht recht naiv, denn der erste Eindruck und die äußere Hülle sind ja schon sehr entscheidend, aber eigentlich möchte ich auch gar nicht immer nur auf Äusseres reduziert werden. Ich möchte eher, dass man sich mit mir beschäftigt, mich kennenlernt, als Mensch.


Quelle: pinterest.com


Vielleicht denke ich in 5 Jahren wieder ganz anders über diese Eingriffe und über meine Falten, da lege ich mich gar nicht für immer fest, vielleicht leide ich dann sehr unter den  Schlupflidern, wer weiß, aber im Moment denke ich, es ist für mich so gut. Es ist okay, dass ich aussehe wie Anfang 40. Das hat zumindest den Vorteil, dass mir nirgendwo auf der Welt der Alkohohl verweigert wird ;-)

Es ist okay, dass ich Lachfalten habe. Dass mein Gesicht schon eine kleine Geschichte erzählt. Dass mich jeder sofort für die Mutter und nicht für die Schwester meiner Kinder hält.

Solange ich es schaffe, IM Kopf nicht zu altern, versuche ich eben AM Kopf durch Lachen von den Falten abzulenken.

Liebe Grüße
Sandra


Montag, 2. September 2013

Hilfe, ich bin alt. Oder normal. Oder doch nicht?

Je älter die Kinder werden, umso älter fühlt man sich selber. Das kennt Ihr vielleicht auch. Mit kleinen Kindern, oder erst recht, wenn man noch keine hat, kommt man sich immer noch total jung vor, denn die eigene Jugend scheint fast noch zum Greifen nahe. Ich kann mich noch an alles so gut erinnern, als wäre es gestern gewesen, und ich hatte lange Zeit zum Beispiel das Gefühl, wenn wir im Urlaub waren, ich gehöre eher an den Teenie-Tisch als an den der Eltern....




Dass ich Freundinnen habe, die ich schon seit 30 Jahren kenne, und die ich aber erst in der 5. Klasse kennengelernt habe, verdränge ich ganz schnell wieder. Egal, ich fühle mich jung, oder zumindest okay. Ich höre immer noch überwiegend EinsLive, kann die Liedtexte der Charts mitsingen, interessiere mich für Klamotten und Kinofilme, lästere über die Lehrer .....

Je älter aber meine Kinder werden, um so öfter denke ich, dass Vieles von dem, was die Jugendlichen heute machen, bei mir früher ganz anders war, und da beschleicht mich immer öfter das Gefühl, dass ich eigentlich doch schon ganz schön lange raus bin aus der Jugend - die harten Zahlen sprechen da sowieso eine klare Sprache, aber wir reden ja hier vom Gefühl ;-)

Da ich mit meinen Söhnen ja unter anderem auch sehr gerne einkaufen gehe, war ich natürlich auch schon öfter bei Abercrombie & Fitch mit ihnen und auch bei Hollister (ist ja eh alles das Gleiche) und jetzt weiß ich - ICH BIN ALT! Wer schon einmal dort war, weiß, wovon ich spreche.

Ich gehe in einen Laden, in dem es stockfinster ist, so dass ich das Gefühl habe, ich muss ab und zu mal einen kleinen Versuchsschritt machen, um nicht eine Stufe zu übersehen. Habe Sorge, dass ich aus dem Spiegel-Labyrinth vielleicht nie wieder herausfinde. Bekomme kaum Luft, denn die Klimaanlage wird nicht mit Sauerstoff sondern mit Parfum versorgt und verstehe die Wünsche meiner Söhne kaum bis gar nicht, da die Musik so laut ist. Ich kann weder Größen noch Preise erkennen, denn der kleine Strahler über dem Regal ist gerade schon besetzt. Und die vier Kassen, von denen aber immer nur zwei geöffnet sind, und die gerne am Ende des Geschäfts sind, so dass auch dort bloß keine frische Luft oder Licht hereinfallen, gehören natürlich zur Geschäftsphilosophie.

Ich hasse die langhaarigen, langbeinigen Mädels, wie sie mit ihren Spaghettiträger-Sommerkleidchen und FlipFlops durch den Laden tänzeln, als wären sie nur dazu eingestellt, um MICH zu provozieren.... Und wenn ich dann zum geschätzten 100sten Mal in 15 Minuten ein breites, grinsenden "Hey, how are you doing" höre, von einem Jeanshemdträger, der in Düsseldorf irgendwie genauso aussieht wie Hamburg, dann wird aus Mama AGRO-Mum!!!!! Ich fasse es nicht - sind die denn alle bekloppt? Warum tut man sich das an? Was soll das?

Aber dann sehe ich - zwar schwach aber doch - diese total gemütlichen Klamotten, die geradezu einladen, sich auf irgendein Sofa zu lümmeln, an irgendeinem Strand zu chillen, einfach entspannte Klamotten aus weichen Stoffen, nicht superhip, aber trotzdem nett, und hätte sie am liebsten alle.

Ich könnte mit meinen Kindern um die Wette kaufen und muss aufpassen, dass wir völlig unterschiedliche Modelle mit unterschiedlichen Farben haben, damit wir am Ende nicht im Partnerlook auflaufen (das finde ich nämlich ganz schrecklich). Und wie ich da so beschwingt meine Tüten Richtung Ausgang wedel, und mich freue, dass die Klamotten und Tüten auch am nächsten Tag noch  duften, überlege ich im Vorbeigehen, ob ich nicht doch noch diesen netten Einteiler-Schlafi mit Reissverschluss vorn kaufen soll .......... Bis mich meine Jungs ganz schnell vor sich her nach draussen schubsen......

Man ist doch immer so alt, wie man sich fühlt ;-)


Jugendliche Grüße von





Donnerstag, 29. August 2013

Ein Wellnesstermin kann zum Fluch werden...

In der letzten Woche habe ich mir, weil die Kinder ja nicht da waren, einen Kosmetiktermin gegönnt. 3 (!) Stunden Wellness - nur für mich. Herrlich! Entspannen, träumen, und während der Maniküre bei einem Latte Macchiato schön den neuesten Klatsch aus der Promiwelt erfahren.



Hatte ich zumindest vorher gedacht. Doch gleich nach dem Reinigen des Gesichts wurden dann die Augenbrauen gezupft und als meine weltbeste Kosmetikerin damit fertig war, streicht sie sanft über meine Oberlippe und noch viel schlimmer über mein Kinn.

Auf die Frage, was das zu bedeuten hat, bekomme ich folgende, vernichtende Antwort, die mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht und mich jeden Tag vor dem Spiegel beschäftigt: Mit zunehmendem Alter kann man auch als Frau Haare über der Oberlippe und am Kinn bekommen - DAMENBART!!!!!

Wie fürchterlich ist das denn bitte! Und schon zupft sie zwei, drei Härchen aus meinen Mundwinkeln. Autsch! Das tut verdammt weh! Und ich meine damit weniger die Schmerzen an meinen Mundwinkeln als die Risse in meiner Seele....  Ich könnte heulen, wer bitte braucht denn das? Ich habe das Gefühl, ich habe gerade erst die Pubertätsakne überstanden und muss mich jetzt mit einem Damenbart auseinandersetzen? Also, ja zum Glück noch mit einem Imaginären, aber immerhin scheint es ja im Rahmen des Mögllichen zu liegen.....

Mehr als diese drei Härchen hat sie aber nicht gefunden, das Kinn war unbehaart. Bin ich jetzt so alt, dass ich darüber schon glücklich sein muss? Das ist doch verdammt nochmal normal, oder?

Haben Ursula Karven, Claudia Schiffer, und all die anderen Frauen der "40 ist das neue 30"- Generation auch SOLCHE Probleme??

Der Termin war gelaufen - vor meinem inneren Auge, vor dem gerne mal Buchstaben tanzen, tanzte am Dienstag die ganze Zeit "D.A.M.E.N.B.A.R.T." Tango! Und auch jetzt scheint das böse D-Wort auf meinen Spiegel geschrieben zu sein. Jeden Tag beobachte ich mein Gesicht akribisch mit elektrischem Licht, mit Tageslicht, von Nahem, von Weitem, ob ich ein Haar entdecke....

Bisher ist es gut gegangen und vielleicht wachsen ja die Haare am Kinn genauso langsam wie auf dem Kopf, dann hätte das ja auch mal etwas Gutes. Oder vielleicht aber ja auch gar nicht - hat meine Mutter Haare am Kinn? Hatte meine Oma welche? Ich sehe mich quasi vor mir: mit schwarzen Haaren am Kinn, immer kombiniert mit einer hakigen Nase und Kopftuch. So darf es auf keinen Fall enden.

Der nächste Termin bei der Kosmetikerin ist erstmal wieder in weiter Ferne. Gut so, bis dahin brauche ich mehr Kraft und innere Stärke, um die nächsten Einschläge des Alters besser wegstecken zu können.

Trotzdem liebenswerte Grüße von