Meine Kinder spielen Handball und Handball und Handball. Und der Kleine auch Golf. Warum ich Euch das erzähle? Weil meine Leserin Anna mir geschrieben hat, dass ihre Kinder gerade gar keine Lust haben, Sport zu machen, und sich gar nicht aufraffen können. Und das findet sie schade. Ein Grund, mal darüber zu schreiben, und wie ich darüber denke.
Die Jungs gehen total auf in ihrem Sport und sind eigentlich nur so richtig glücklich, wenn sie zum Training gehen können. Die Tage dazwischen sind die Tage dazwischen. Sie dienen der Erholung, dem Verabreden, dem Nichtstun (ich finde ja auch dem Hausaufgaben machen, aber da sind wir nicht immer der gleichen Meinung).
Die vielen Vorteile, die Sport so mit sich bringt, kennen wir alle: er hilft ihnen, sich abzureagieren, Dampf abzulassen, Aggressionen abzubauen, Disziplin und Ehrgeiz in vernünftigem Maße kennenzulernen. Er zeigt ihnen, dass es mal auf und mal ab geht, dass man Erfolg hat, wenn man trainiert, dass es sich lohnt, zu kämpfen, dass eine Niederlage nicht dazu führt, dass die Welt untergeht. Und schon beim nächsten Mal kann daraus ein Sieg werden. Das finde ich super. Ganz zu schweigen von der körperlichen Fitness und dem Wohlbefinden, von den sozialen Kontakten, auch außerhalb der Schule, ganz zu schweigen von der Alternative zum Medienkonsum.
Ich finde es toll, dass sie ihren Sport für sich gefunden haben und dass sie sich so sicher sind, was zu ihnen passt, aber das war natürlich nicht immer so. Im Laufe der Zeit haben sie vieles ausprobiert. Jungentypisch natürlich Fußball, aber auch Tennis, Schwimmen, Turnen, Leichtathletik. Geliebäugelt wurde mit Kung Fu und Judo und Karate. Sogar Einrad fahren war mal kurz Thema. Nicht immer alles gleichzeitig, manches aber schon.
Aber natürlich sind nicht alle Kinder so bewegungsenthusiastisch, dann wäre es ja einfach und man müsste einfach nur auswählen. Manche Kinder haben halt auch gar keine Lust. Sie wollen einfach NICHTS machen. Woran liegt das? Und: was kann man da machen?
Haben sie den richtigen Sport noch nicht für sich entdeckt? Sind sie unentschlossen. Haben sie vielleicht Angst, sich mit vielen Kindern in einer Mannschaft zu arrangieren? Kinder sind so unterschiedlich wie die Sportarten. Falls Ihr Euch als Eltern nicht sicher seid, welche Sportart sinnvoll und passend wäre, könnt Ihr vielleicht mal diesen Test machen. Da werden die Grundsportarten gecheckt. Aber vergesst nicht, wenn Fußball nichts ist, könnte Basketball, Handball, Volleyball, Hockey vielleicht etwas sein? Ballett könnte vielleicht auch HipHop, Volkstanz, Eiskunstlauf oder Cheearleading werden? Die Liebe zum Wasser könnte man auch beim Segeln ausdrücken? Judo kann auch Karate, Taekwandou oder Kung Fu sein? Und wenn das Kind zwar Ballsport mag, sich aber nicht in einer Mannschaft behaupten möchte/ kann, wäre neben Tennis ja auch noch Tischtennis oder Golf eine Sportart, in der man Einzelkämpfer sein darf. Turnen und Leichtathletik sind Sportangebote, die hier bei uns sehr spielerisch anfangen. Das ist mehr wie sporteln, dass sich nach und nach in eine bestimmte Richtung bewegt, ohne dass die Kinder es wirklich merken. Geht auch ruhig ungewöhnliche Wege, bietet Skaten oder Biken an. In der Nähe einer Skihalle oder der Berge ist auch Skifahren sicherlich super. Lasst auch Mädchen Fußball spielen und Jungen reiten. Und bezieht die Kinder mit ein, habt ein Ohr für sie. Und aus Erfahrung weiß ich: wenn Fussball nichts ist, heißt es nicht, dass andere Ball-Mannschaftsportarten nicht vielleicht der Renner sein können.
Die Kinder finden ihre Sportart im Laufe der Zeit. Wir Eltern können ihnen helfen, indem wir ihnen Möglichkeiten bieten. Wir haben die Übersicht über Sportarten und Angebote. Wir können für Sie Sportvereine ausfindig machen und sie ermutigen. Vieles können sie auch im Schulsport nach und nach für sich entdecken. Lt. Experten ist die Spezialisierung auf eine Sportart auch sowieso erst ab ca. 10 Jahren sinnvoll. Vorher ist vielfältiges Experimentieren für den Körper sogar besser. Aber wir sollten es nicht übertreiben.
Ich bin überzeugt, dass manche Kinder tatsächlich nicht für den Sport geboren wurden. Wenn sie ansonsten aber trotzdem draußen spielen, klettern, Trampolin hüpfen, toben, Radfahren, Rollschuhfahren, etc., warum sollte das dann ein Problem sein? Gewisse Dinge müssen sie können, aber wenn wir ehrlich sind, ist so ein Nachmittag im Winter draußen toben, rennen, sich im Schnee kugeln, oder was auch immer, nicht genauso gesund wie eine Stunde Fußballtraining in der miefigen Halle? Ja, die Kinderärzte plädieren für Sport, sämtliche Fachleute auch. Bei den U-Untersuchungen wird regelmäßig danach gefragt und es wird der Eindruck vermittelt, Sport wäre so wichtig wie Essen und Trinken. Ich bin kein Arzt und auch kein Fachmann, aber ich bin eine Mutter, die weiß, dass das Leben mit und von Kindern nicht nur schwarz und weiß ist. Ich weiß, dass Sport wichtig ist, aber ich weiß auch, dass manche Kinder einfach nicht glücklich sind damit. Egal, wie wichtig wir es finden, sie fühlen sich damit nicht wohl.
Und ganz ehrlich. Wie schon so oft gesagt, gilt es auch für den Sport. Die Kinder müssen sich wohl fühlen und sollten damit glücklich sein. Zwingen kann nicht gut sein. Bewegung ist wichtig und Sport auch. Aber nicht um jeden Preis. Manchmal verlangen wir etwas von Kindern, was wir Erwachsene für wichtig erachten, was wir für uns selbst aber auch schon mal ganz anders entscheiden. Ich darf mich mal vom Sport ausklinken, dafür aber viel Spazieren gehen, um aktiv zu bleiben, für mein Kind reicht mir toben nicht, das schleife ich zum Sport? Wisst Ihr, was ich meine? Sport ist nicht alles. Wenn ein Kind sehr musisch ist, ein Instrument spielen möchte oder schön malt, warum sollte man das nicht fördern und akzeptieren, dass es eben nicht die große Sportskanone ist? Ist das eine besser als das andere? Eine Balance wäre gut, klar, rational bin ich voll dabei. Was ist aber, wenn das Kind diese Balance absolut nicht nachvollziehen kann?
Bei uns ist zum Beispiel im Laufe der Zeit die Musik hintenüber gefallen. Max hat Gitarre gespielt, Felix Klavier. Doch mit zunehmendem Druck in der Schule wollten sie eine Pause. Ich fand das sehr schade, denn Musik ist toll. Aber, nach einem guten Gespräch durften sie es selbst entscheiden und haben zugunsten des Sports entschieden.
Nichts ist verloren, keine Aktivität ist umsonst. Die Kinder lernen daraus, wo ihre Stärken und Schwächen sind, was ihnen Spaß macht. Ich bin überzeugt, dass dadurch ein gutes Fundament gelegt ist. Das ist unsere Aufgabe als Eltern. Der Rest ergibt sich. Denn egal ob Musik, Kunst oder Sport, wir dürfen nicht vergessen, es sind 'nur' Hobbyangebote. Kindergarten und Schule sind Pflicht. Die Hobbys dienen der reinen Freude und Entspannung.
Und vor allem sollten wir nicht mit zweierlei Maß messen. Fassen wir uns an die eigene Nase. Manchmal haben wir eine stressige Phase. Wir haben viel um die Ohren und irgendwann ist uns der Sport, der uns gut tut und wichtig ist, auch mal eine Zeitlang total egal. Dann sind wir froh, wenn wir abends auf dem Sofa liegen und mal eine freie Minute haben. Nichts Tun zu müssen, tut auch gut. Und dann, früher oder später sind wir wieder entspannter und fühlen uns ohne Bewegung schlecht. Dann starten wir wieder durch. Und genau das sollten wir bei unseren Kindern doch auch zulassen. Ich bin sicher, dass ihr Dasein echt stressig ist. Auch schon, wenn sie im Kindergarten sind. Vielleicht sind sie die ganz Kleinen, müssen sich ihren Platz in der neuen Welt erst erkämpfen. Bekommen so viel Input, da passt nachmittags gar nichts mehr rein. Oder sie sind eben die Großen, die alles können müssen, andere Pflichten haben, den Kleinen helfen sollen, vernünftiger spielen sollen, Schulkinderstunden haben. Puh, was für eine Anforderung. Von dem Start in der Grundschule müssen wir gar nicht reden. Still sitzen, sich organisieren, Pausen einhalten, nicht quatschen, neue Kinder, Lehrer, eine große Menge an Menschen, vom Lernen ganz zu schweigen. Ist das nicht super stressig?
Und es nimmt ja kein Ende. Dann kommen die ersten Noten, dann sind sie wieder die Großen, und dann, dann kommt der Schulwechsel. Ich habe mal gelesen, dass der Übergang von der 4. Klasse zur weiterführenden Schule der größte Einschnitt für die Kinder ist. Größer noch als der Schuleintritt in die Grundschule! Das hätte ich nicht gedacht. Aber auf einmal treten sie ein in die "echte" Welt. Raus aus der behüteten, kümmernden Grundschule, wo man sich auch noch mal auf den Schoß der Lehrerin setzen darf. Da gibt es Mediaboards für Vertretungspläne. Da kümmert die Lehrer häufig der Stoff und nicht das Kind. Da wird Leistung mehr gefordert als Individualität.
Da kann es doch schon mal Phasen geben, in denen die Kinder nur noch ihre Ruhe haben wollen. Nachmittags Löcher in die Luft gucken wollen, abhängen, spielen, ein paar stressfreie Stunden brauchen. Das darf dann auch so okay sein, oder? Denn es kommen ganz sicher auch wieder andere Zeiten. Und wenn nicht? Mmmmh, wäre das soo schlimm? So schlimm, dass wir sie zum Sport "zwingen", weil wir denken, dass es ihnen gut tut? So schlimm, dass wir neben der Schule einen weiteren Stresspunkt einführen? Für wen eigentlich?
Liebe Grüße von
Sandra
PS: Dieser Post setzt voraus, dass sich die Kinder normal entwickeln. Dass sie soziale Kontakte haben und normal ernährt sind. Dass sie am Schulsport teilnehmen, dass sie motorisch auf einem normalen Stand sind und auch sonst keine Probleme haben. Natürlich brauchen Kinder in besonderen Situationen auch besondere Anforderungen.
Posts mit dem Label Erziehung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Erziehung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, 23. Januar 2014
Mittwoch, 11. Dezember 2013
Wo auf der Welt gibt es das, dass Traditionen immer gleich und doch auch immer irgendwie neu erfunden werden (müssen). Nur bei Familien mit Kindern!
Hallo, Ihr Lieben!
Ich bin ganz ergriffen, von so vielen Reaktionen auf meinen gestrigen Post zum Entschleunigen. Das scheint Euch alle berührt zu haben. Die (Jahres-)Zeit von Action und Halligalli ist vorbei. Irgendwie sehnen wir uns doch alle nach ein bisschen Ruhe am Jahresende. Man, sind wir jetzt alt? Nein, denn ich merke, dass das nicht nur den Erwachsenen so geht, das ist bei den Kindern auch nicht anders. Sie kränkeln permanent und sind ausgepowert.
Denn für sie ist es ja auch nicht einfach. Früher, als unsere Kinder noch kleiner waren, habe ich mich manchmal gewundert, warum sie so gereizt waren im Advent und fand es völlig unverständlich, wo wir doch so viele schöne Sachen mit ihnen gemacht haben. Mal war ein Kinogutschein im Adventskalender, mal Plätzchen backen, mal Schokofondue oder Weihnachtsmarktbesuch, mal Basteln oder malen, und dazwischen natürlich auch Süßes oder ein kleines Päckchen. Mittlerweile finde ich es eigentlich völlig klar, denn für die Kinder - je kleiner umso extremer - ist ja die Adventszeit ein absoluter Overkill an Eindrücken, fast wie jeden Tag Geburtstag haben. So viele besondere Situationen. Und selbst, wenn nur Süßes im Kalender war, durften sie es schon morgens essen. Wann sonst bitte darf man schon Schokolade zum Frühstück essen????
Jeden Morgen schon mal Aufregung wegen des Adventskalenders (das ist allerdings bei unseren Kindern mittlerweile nicht mehr so ;) ), dann Nikolaus, dann Adventsfeiern in Kindergärten und Schulen, Krippenspiele, Theateraufführungen, Weihnachtsmärkte, Klassenfahrten, Wichteln, Sporttermine und dann dazu noch der Klassenarbeits- und Testwahnsinn, denn die Lehrer wollen schnell vor den Ferien noch die dritten Klausuren schreiben….. Und über dem allen natürlich immer die Vorfreude auf Weihnachten, bei der das Alter gar keine Rolle spielt. Da freue ich mich für uns als Familie, aber besonders für die Kinder, dass sie bald Ferien haben. Die haben sie sich ehrlich verdient.
Wir haben hier in diesem Jahr wieder ganz neue Hürden zu überwinden. Die Übergangsphase vom Kind zum Erwachsenen ist nicht nur seelisch und körperlich für die Kinder eine Herausforderung (und für die Eltern manchmal auch), sondern das stellt sie auch vor neue Probleme. Die Weihnachtswünsche. Spielsachen sind uninteressant und selbst Lego Architecture, das im letzten Jahr noch punkten konnte, ist absolut raus. Handy: ist schon vorhanden und ich finde auch gut, dass er damit gut zufrieden ist. Kleidung: ja gerne, aber nur Kleidung ist doch auch ein bisschen lahm. Bücher: im Moment hört er mehr Hörbücher. Sicherlich wird er im Urlaub auch lesen, aber er wird nicht vor Freude jubeln. Für Mädels geht sicherlich Kosmetik, Schmuck und Taschen immer, aber Jungs? Spielekonsole: war ein großer Wunsch, aber nicht lieferbar!
Versteht Ihr, was ich meine? Kindersachen sind out, Erwachsenensachen noch nicht erlaubt oder aber doch noch langweilig. Das ist aber ein nicht zu unterschätzendes Problem, denn 13jährige sind ja noch ganz weit weg von abgeklärten jungen Erwachsenen. Sie wollen aufgeregt sein, sich freuen, Weihnachten früh aufstehen und mit ihren neuen Geschenken rumfummeln. Mit Gutscheinen, Klamotten oder Downloads geht das natürlich nicht. Zum Glück habe ich jetzt schon mit mehreren Müttern gesprochen, deren Kindern das genauso geht. Jetzt weiß er zwar, dass sich alle gleich fühlen, aber wirklich weiter bringt ihn das auch nicht. Ich habe schon Ideen und Überraschungen für ihn, aber die möchte ich ihm natürlich nicht erzählen. Ich versuche ihn zu beruhigen, ihm Mut zuzusprechen, aber so richtig überzeugt ist er noch nicht. Die Lage ist heikel und er traurig.
Wir haben diese Woche die vergangenen Weihnachtsfeste und Geburtstage rekapituliert und überlegt, wie es früher ablief. Wir haben geguckt, was er sich gewünscht hat und was er tatsächlich bekommen hat. Er ist dann zu dem Schluss gekommen, dass er sich zwar immer etwas gewünscht hat, aber wir ihn eigentlich immer noch mit etwas Anderem doll überraschen konnten. Und das wird sicherlich in diesem Jahr auch so sein. Ich habe ihn um Vertrauen gebeten und konnte ihn ein bisschen beruhigen. Überzeugen kann ihn wohl erst der Heilig Abend.
Felix dagegen hat noch ganz viele Wünsche. Mit 10 ist er natürlich noch voll mit Ideen, wie er seine Freizeit "spielend" verbringen kann und das finde ich toll. Von klitzekleinen Kleinigkeiten bis überdimensional riesigem Spielzeug ist da alles vorhanden und da besteht das Problem eher imTreffen der Auswahl - oh, wie schön.
Natürlich geht es Weihnachten nicht nur um die Geschenke, um die Materialschlacht, von der ich mich zugegebenermaßen auch nicht ganz freimachen kann. Es geht um die Familie, um das Zusammensein am Ende eines Jahres, um gemütliche Stunden, um Traditionen, um Geschichten, um Nächstenliebe, um das Augen-Offen-Halten für Menschen, denen es nicht so gut geht, um Hilfe, um's Teilen. Und nicht zuletzt, oder eigentlich sogar in erster Linie und NUR um Jesus. Aber machen wir uns nichts vor und seien nicht päpstlicher als der Papst - bei den Kindern sind die Geschenke schon sehr wichtig. Es geht ihnen um den geschmückten Weihnachtsbaum, um die besondere Stimmung und die nicht mehr zu ertragende Spannung am Heilig Abend Morgen, wenn man KEIN MAL MEHR SCHLAFEN MUSS….
Und das ist auch gut so. Alles hat seine Zeit und im Laufe ihres Lebens werden sich auch bei ihnen die Prioritäten verschieben und sie werden sich über andere Dinge freuen. Als Kind darf man Gesundheit, Familie, Zeit und Stimmung ruhig als selbstverständlich hinnehmen. Man darf sich ganz seinem Wunschzettel hingeben und sich 24 Tage lang Gedanken machen, was es wohl geben wird am Heilig Abend (das war ja bei uns früher auch nicht anders und aus uns sind ja auch tiefgründige Menschen geworden). Man darf an Geschichten festhalten, von denen man eigentlich schon weiß, dass sie erfunden sind (das merken wir bei Felix gerade ganz deutlich). Man darf in seinem eigenen Tempo das "Weihnachtsmärchen" für sich entzaubern und merken, wie der Hase/ Weihnachtsmann wirklich läuft. Man darf dann auch wieder feststellen, das es Vorteile hat, mehr zu wissen, denn dann darf man zum Beispiel auch den Baum mit schmücken, den bisher immer die Engel geschmückt haben ;)
Denn nur, wenn man sich als Kind ganz seinen Gedanken und Freuden hingeben kann, kann man sie später doch genauso schön und entspannt weitergeben und Weihnachten für seine eigene Familie auch zu dem großen, schönen Zauber machen, der es in der eigenen Kindheit war.
Liebe Grüße von
Sandra
PS: Beim Lesen der Überschrift habe ich gemerkt, dass ich eigentlich etwas ganz anderes schreiben wollte… Jetzt ist die Überschrift geändert, den "Stempelalarm" bekommt Ihr dann eben morgen :)
Ich bin ganz ergriffen, von so vielen Reaktionen auf meinen gestrigen Post zum Entschleunigen. Das scheint Euch alle berührt zu haben. Die (Jahres-)Zeit von Action und Halligalli ist vorbei. Irgendwie sehnen wir uns doch alle nach ein bisschen Ruhe am Jahresende. Man, sind wir jetzt alt? Nein, denn ich merke, dass das nicht nur den Erwachsenen so geht, das ist bei den Kindern auch nicht anders. Sie kränkeln permanent und sind ausgepowert.
Denn für sie ist es ja auch nicht einfach. Früher, als unsere Kinder noch kleiner waren, habe ich mich manchmal gewundert, warum sie so gereizt waren im Advent und fand es völlig unverständlich, wo wir doch so viele schöne Sachen mit ihnen gemacht haben. Mal war ein Kinogutschein im Adventskalender, mal Plätzchen backen, mal Schokofondue oder Weihnachtsmarktbesuch, mal Basteln oder malen, und dazwischen natürlich auch Süßes oder ein kleines Päckchen. Mittlerweile finde ich es eigentlich völlig klar, denn für die Kinder - je kleiner umso extremer - ist ja die Adventszeit ein absoluter Overkill an Eindrücken, fast wie jeden Tag Geburtstag haben. So viele besondere Situationen. Und selbst, wenn nur Süßes im Kalender war, durften sie es schon morgens essen. Wann sonst bitte darf man schon Schokolade zum Frühstück essen????
Jeden Morgen schon mal Aufregung wegen des Adventskalenders (das ist allerdings bei unseren Kindern mittlerweile nicht mehr so ;) ), dann Nikolaus, dann Adventsfeiern in Kindergärten und Schulen, Krippenspiele, Theateraufführungen, Weihnachtsmärkte, Klassenfahrten, Wichteln, Sporttermine und dann dazu noch der Klassenarbeits- und Testwahnsinn, denn die Lehrer wollen schnell vor den Ferien noch die dritten Klausuren schreiben….. Und über dem allen natürlich immer die Vorfreude auf Weihnachten, bei der das Alter gar keine Rolle spielt. Da freue ich mich für uns als Familie, aber besonders für die Kinder, dass sie bald Ferien haben. Die haben sie sich ehrlich verdient.
Wir haben hier in diesem Jahr wieder ganz neue Hürden zu überwinden. Die Übergangsphase vom Kind zum Erwachsenen ist nicht nur seelisch und körperlich für die Kinder eine Herausforderung (und für die Eltern manchmal auch), sondern das stellt sie auch vor neue Probleme. Die Weihnachtswünsche. Spielsachen sind uninteressant und selbst Lego Architecture, das im letzten Jahr noch punkten konnte, ist absolut raus. Handy: ist schon vorhanden und ich finde auch gut, dass er damit gut zufrieden ist. Kleidung: ja gerne, aber nur Kleidung ist doch auch ein bisschen lahm. Bücher: im Moment hört er mehr Hörbücher. Sicherlich wird er im Urlaub auch lesen, aber er wird nicht vor Freude jubeln. Für Mädels geht sicherlich Kosmetik, Schmuck und Taschen immer, aber Jungs? Spielekonsole: war ein großer Wunsch, aber nicht lieferbar!
Versteht Ihr, was ich meine? Kindersachen sind out, Erwachsenensachen noch nicht erlaubt oder aber doch noch langweilig. Das ist aber ein nicht zu unterschätzendes Problem, denn 13jährige sind ja noch ganz weit weg von abgeklärten jungen Erwachsenen. Sie wollen aufgeregt sein, sich freuen, Weihnachten früh aufstehen und mit ihren neuen Geschenken rumfummeln. Mit Gutscheinen, Klamotten oder Downloads geht das natürlich nicht. Zum Glück habe ich jetzt schon mit mehreren Müttern gesprochen, deren Kindern das genauso geht. Jetzt weiß er zwar, dass sich alle gleich fühlen, aber wirklich weiter bringt ihn das auch nicht. Ich habe schon Ideen und Überraschungen für ihn, aber die möchte ich ihm natürlich nicht erzählen. Ich versuche ihn zu beruhigen, ihm Mut zuzusprechen, aber so richtig überzeugt ist er noch nicht. Die Lage ist heikel und er traurig.
Wir haben diese Woche die vergangenen Weihnachtsfeste und Geburtstage rekapituliert und überlegt, wie es früher ablief. Wir haben geguckt, was er sich gewünscht hat und was er tatsächlich bekommen hat. Er ist dann zu dem Schluss gekommen, dass er sich zwar immer etwas gewünscht hat, aber wir ihn eigentlich immer noch mit etwas Anderem doll überraschen konnten. Und das wird sicherlich in diesem Jahr auch so sein. Ich habe ihn um Vertrauen gebeten und konnte ihn ein bisschen beruhigen. Überzeugen kann ihn wohl erst der Heilig Abend.
Felix dagegen hat noch ganz viele Wünsche. Mit 10 ist er natürlich noch voll mit Ideen, wie er seine Freizeit "spielend" verbringen kann und das finde ich toll. Von klitzekleinen Kleinigkeiten bis überdimensional riesigem Spielzeug ist da alles vorhanden und da besteht das Problem eher imTreffen der Auswahl - oh, wie schön.
Natürlich geht es Weihnachten nicht nur um die Geschenke, um die Materialschlacht, von der ich mich zugegebenermaßen auch nicht ganz freimachen kann. Es geht um die Familie, um das Zusammensein am Ende eines Jahres, um gemütliche Stunden, um Traditionen, um Geschichten, um Nächstenliebe, um das Augen-Offen-Halten für Menschen, denen es nicht so gut geht, um Hilfe, um's Teilen. Und nicht zuletzt, oder eigentlich sogar in erster Linie und NUR um Jesus. Aber machen wir uns nichts vor und seien nicht päpstlicher als der Papst - bei den Kindern sind die Geschenke schon sehr wichtig. Es geht ihnen um den geschmückten Weihnachtsbaum, um die besondere Stimmung und die nicht mehr zu ertragende Spannung am Heilig Abend Morgen, wenn man KEIN MAL MEHR SCHLAFEN MUSS….
Und das ist auch gut so. Alles hat seine Zeit und im Laufe ihres Lebens werden sich auch bei ihnen die Prioritäten verschieben und sie werden sich über andere Dinge freuen. Als Kind darf man Gesundheit, Familie, Zeit und Stimmung ruhig als selbstverständlich hinnehmen. Man darf sich ganz seinem Wunschzettel hingeben und sich 24 Tage lang Gedanken machen, was es wohl geben wird am Heilig Abend (das war ja bei uns früher auch nicht anders und aus uns sind ja auch tiefgründige Menschen geworden). Man darf an Geschichten festhalten, von denen man eigentlich schon weiß, dass sie erfunden sind (das merken wir bei Felix gerade ganz deutlich). Man darf in seinem eigenen Tempo das "Weihnachtsmärchen" für sich entzaubern und merken, wie der Hase/ Weihnachtsmann wirklich läuft. Man darf dann auch wieder feststellen, das es Vorteile hat, mehr zu wissen, denn dann darf man zum Beispiel auch den Baum mit schmücken, den bisher immer die Engel geschmückt haben ;)
Denn nur, wenn man sich als Kind ganz seinen Gedanken und Freuden hingeben kann, kann man sie später doch genauso schön und entspannt weitergeben und Weihnachten für seine eigene Familie auch zu dem großen, schönen Zauber machen, der es in der eigenen Kindheit war.
Liebe Grüße von
Sandra
PS: Beim Lesen der Überschrift habe ich gemerkt, dass ich eigentlich etwas ganz anderes schreiben wollte… Jetzt ist die Überschrift geändert, den "Stempelalarm" bekommt Ihr dann eben morgen :)
Auf der Suche nach Weihnachten…. (frei nach Rolf Zuckowski)
Der zweite Advent ist ja jetzt auch schon wieder seit ein paar Tagen vorbei und wie jedes Jahr ist die Vorweihnachtszeit fast noch schnelllebiger als der Rest des Jahres. Warum eigentlich? Weil sie so schön ist und Schönes immer ganz schnell vorbeigeht? Weil wir diese vier Wochen immer so vollpacken mit Terminen, dass wir am Ende durch den Advent hetzen müssen und fast froh sind, wenn er rum ist?
Das ist doch eigentlich verkehrt, oder? Advent heißt doch "WARTEN auf Weihnachten", soll doch eine besinnliche Zeit sein. Daher unser Motto in diesem Jahr: back to the roots. Das versuche ich zumindest.
Natürlich gibt es Aufgaben, die erledigt werden müssen. Geschenke und Adventskalender müssen organisiert werden, wenn man mit Kindern zusammenlebt, zum Beispiel. Der Alltag mit seinen normalen Terminen muss weiterhin bewältigt werden. Einladungen und Verpflichtungen muss man nachkommen. Aber sonst? Vieles haben wir anders organisiert und sind eigentlich überall auf Gegenliebe gestoßen.
Warum nicht einfach mal das Krabbelgruppen-Weihnachts-Event mit Wichtelgeschenk, in diesem Jahr ist die Vorgabe "Selbstgemachtes aus der Küche", im Januar machen. Wenn alle in ein Loch fallen, weil auf einmal keine Termine mehr anstehen ;), wenn man sich dann wieder auf ein Treffen freut und nicht nur abhakt. Genauso machen wir es mit der Firmenweihnachtsfeier. Wir frühstücken schön zusammen und machen dann eben ein größeres Sommerfest.
Es gibt auch keine selbstgebastelten Weihnachtskarten, ich habe Weihnachtskarten mit Fotos gestaltet und dann im Internet bestellt. Schreiben tue ich sie natürlich selber, aber basteln werde ich mal nicht.
Max hat in seiner Klasse beschlossen, dass sie keine Weihnachtsfeier mehr mit den Eltern machen möchten - zu alt, die Kinder natürlich, wir Eltern sind auf GAR KEINEN FALL zu alt….. , so dass da auch schon wieder ein Termin wegfällt.
Da wir im Ort eine Krippenausstellung haben, die über den Winter geöffnet ist, gibt es davor einen wunderbaren Pommes-Stand mit unschlagbarer Bratwurst. Und wenn ich zuviel zu tun habe, dann gibt es einfach auch mal Pommes und Bratwurst zu essen. Das ist vielleicht nicht besonders gesund, kommt aber ja auch nicht täglich vor und meine Männer hier sind dazu immer restlos begeistert davon.
Und wenn man für sich so kleine Abstriche macht, die ja für jeden anders aussehen können, dann hat man auf einmal wieder viel mehr Spaß an den eigentlich charakteristischen Vorweihnachtsaktionen. Dann wird Plätzchen backen zum Spaß und nicht zur lästigen Pflicht. Dann kann man sich bewußt entscheiden, einen Adventskalender zu basteln.
Und vor allem bleibt dann auch wieder Zeit für schöne Momente bei Kerzenlicht, zusammen mit den Kindern auf dem Sofa, mit Tee und Plätzchen. Zeit für einen Kaffee und einen Weihnachtsmarktbesuch mit der Freundin zum Quatschen und Lachen. Das ist doch wirklich unbezahlbar und viel wichtiger als die auferlegten To-Do-Listen.
Und ganz ehrlich, bevor es totaler Stress wird, Plätzchen für die Weihnachtsfeier zu backen und Ihr dann gehetzt ankommt, weil es zuviel Aufgaben sind, dann ist es doch wichtiger, sich mit den Kindern auf die Feier zu freuen, entspannt einen schönen Nachmittag zu verbringen und dann eben gekaufte Plätzchen zu essen. Oder welche von Oma abzustauben. Da geht die Welt nicht von unter. Die Kinder werden sich später nicht an Plätzchen erinnern, die mal gekauft wurden, sondern an Eltern, die Spaß hatten und an Familien, die diese besondere Zeit zusammen verbracht haben.
Daher habe ich mich auch besonders gefreut, dass ich in diesem Jahr von meinem Mann eine Adventskiste bekommen habe (ich bekomme nämlich sonst keinen Adventskalender von ihm, aber dieses Jahr hatten wir wohl unbewusst den gleichen Wunsch). Gefüllt mit Symbolen für Adventsgutscheine:
- einen Tee-Adventskalender für einen kleinen ruhigen Augenblick jeden Tag
- einen Gutschein für einen Weihnachtsmarkt-Besuch am Wochenende für die ganze Familie (den wir letztes Wochenende eingelöst haben)
- einen Stern als Symbol für eine gemeinsame (!) Bastel- oder Backaktion mit der ganzen Familie
- ein Buch mit Weihnachtsgeschichten als Platzhalter für einen Nachmittag Geschichten vorlesen
- eine Flasche Brat-Apfellikör - für alles andere ;)
Am ersten Advent haben wir uns dann zusammen in's Wohnzimmer gehockt, erzählt und gelesen und einen Weihnachtsfilm geguckt.
Am zweiten Advent waren wir auf dem Weihnachtsmarkt und haben Glühwein und Punsch getrunken. Dazu leckere Waffeln gegessen, und noch so Einiges andere. Und wenn Ihr mal eine schokoladenüberzogene Peperoni seht, dann braucht Ihr sie nicht probieren, sie schmeckt schrecklich!
Den Rückweg haben wir völlig unweihnachtlich aber überaus diskolike angetreten...
Außerdem waren wir zum Essen bei Freunden eingeladen und hatten einen wunderbaren Nachmittag.
Das nächste Wochenende wird nun auch bei uns sehr vollgepackt und die Planung hat etwas Organisation gefordert. Aber jetzt steht alles und wir werden jedes einzelne Event genießen. Wie könnte man auch beispielsweise eine Adventsparty im Rheinland nicht genießen?! Da feiert man einfach als ob es kein Morgen gäbe….. Oder eine Weihnachtsfeier in einer Blockhütte am Waldrand mit Punsch und Kakao (Weihnachtsfeier der Waldorfschule) oder ein vorverlegter HeiligAbend mit den Schwiegereltern, die über Weihnachten nicht da sind. Mit Bratapfel und Gans essen (wobei die Bratäpfel selbstgemacht, die Gans allerdings nur selbstreserviert ist. Und zwar im leckersten Restaurant im Nachbarort). Dafür bin ich aber dann gerne bei der Sache und nicht abgehetzt und übermüdet von der vorabendlichen, auch noch stattfindenden Hochzeit. Und übermüdet bei Kaffee und Bratapfel geht doch sehr viel besser als bei Knödelvorbereitungen.
Diesen Tee haben wir am Wochenende erstanden, sehr lecker, sehr weihnachtlich und auch sehr dekorativ!
Ich möchte Euch mit diesem Post etwas Mut machen. Wir alle, egal ob im Beruf, als Mutter, als Hausfrau, als Ehefrau oder Freundin, als Kollegin, oder als alles zusammen, leisten das ganze Jahr so viel, geben unser Bestes und planen meist nicht nur für uns sondern auch noch für die Familien. Verwalten, organisieren und verabreden Termine, Treffen, Sport, Kinderfahrten, Einkäufe, Verpflichtungen jeglicher Art, da übernehmen wir das in der Weihnachtszeit ganz automatisch. Und dabei kommt manchmal WIRKLICH Wichtiges zu kurz. Traut Euch, verzichtet, sagt nein.
Das ist ein komisches Gefühl, das ist es für mich auch. Aber abseits von diesem komischen Gefühl, was sich einstellt, weil ich auch mal etwas ablehne, mehr an mich denke, auch mal bewußt freie Zeit für die Familie plane oder einfach nicht hergebe, macht es verdammt glücklich und zufrieden. Das soll nicht heißen, dass ich mich jetzt nur noch durchschmarotze, nein, das natürlich nicht, aber ich werde eben in dieser Vorweihnachtszeit auch nicht überall an vorderster Front sein.
Wenn Ihr nur noch einen Tag zu leben hättet, würdet Ihr ihn dann gehetzt verbringen? Natürlich nicht. Und selbstverständlich haben wir alle hoffentlich noch unendlich viele Tage zu leben. Aber in genau diesem Alter sind die Kinder nie wieder, vielleicht geht es uns im nächsten Jahr mal nicht so gut, dann wünschten wir uns doch, wir hätten bessere Zeiten mehr genossen. Lasst uns im Hier und Jetzt leben, auch gedanklich, mit guten Gewissen und jedem Recht dazu.
Kein Hätte, Könnte, Würde und vor allem kein Sollte. Macht die Adventszeit zu Eurer Zeit, freut Euch über diese Zeit, nicht nur über die Deko.....
Die Zeit beginnt zu laufen,
es gibt so viel zu tun.
Jeder wünscht sich ein paar Tage,
um endlich auszuruhen.
Da fehlen noch Geschenke.
- Und dann der Weihnachtsbaum!
Pakete packen, Karten schreiben,
das alles schafft man kaum.
Und in all dem bunten Treiben
werden wir noch lage Zeit, lange Zeit
auf der Suche nach Weihnachten bleiben.
Und bald ist es soweit.
(Rolf Zuckowski "Auf der Suche nach Weihnachten")
Ganz liebe Grüße und ganz viele schöne Momente wünsche ich Euch
Sandra.
Freitag, 6. Dezember 2013
Irgendwie wie immer und irgendwie anders - mein Nikolaustag
Heute ist Nikolaus! Mein erster Blogger-Nikolaustag übrigens :) Hier bei uns kommt er immer mit dem Boot über die Ems, einem Boot, das mit ganzen vielen Fackeln geschmückt ist, legt mitten in der Stadt an und nimmt alle Kinder mit zur Kirche, wo sie dann eine Nikolaustüte von ihm bekommen.
Wir waren in diesem Jahr nicht dort, denn gestern tobte ein fieses Gewitter über der Stadt. Aber die Geschichte bleibt die Gleiche, denn meine Kinder waren schon so oft da, dass sie genau wissen wie es läuft. Daher haben wir dann gestern Abend, wie jedes Jahr, die Schuhe vor die Tür gestellt, ein Schüsselchen mit Milch für den Esel und ein Tellerchen mit Plätzchen für den Nikolaus dazugestellt und Windlichter angemacht, damit der Nikolaus weiß, dass in diesem Haus Kinder leben und er den Weg zu ihnen findet.
Natürlich glaubt Max schon lange nicht mehr weder an den Weihnachtsmann noch an das Christkind, noch an den Nikolaus, aber wir sind uns nicht sicher, ob Felix noch daran glaubt, und daher sind wir hier immer ganz eifrig. Wir erzählen immer wieder spannende Geschichten, haben Sorge, ob er uns hier draußen auch findet und zünden deshalb extra DREI Kerzen an, und schicken ihn dann früh in's Bett. Er macht alles mit und betont ausdrücklich, dass er an alles noch glaubt, aber gerade weil er es so betont, glaube ich, er weiß, wie der Hause läuft, oder vielmehr der Nikolaus. Er fragt immer, wo ich die Geschenke versteckt habe, dass die anderen Kinder sagen, die Eltern würden die Geschenke kaufen, und beteuert im gleichen Satz, dass es den Weihnachtsmann auf jeden Fall gibt.
Und ich werde in der Adventszeit auch nicht Klartext mit ihm reden. Max hatte damals zu Anfang der Adventszeit gefragt (in der 2. Klasse) und ich habe ihn dann auf später vertröstet und im Januar mit ihm gesprochen. So hatte er lange Zeit, sich mit den Vorteilen des Elterndings vertraut zu machen. Er konnte ja nun helfen, beim Weihnachtsbaum schmücken, er konnte Wünsche mit uns besprechen und er konnte die ganzen Sagen für seinen Bruder ganz herrlich ausschmücken. Solange Felix also nicht fragt, werden wir es ihm auch nicht vermiesen. Ich denke, er findet einfach die Idee so schön und hat Angst vor der Alternative……
Heute morgen, auf jeden Fall, war der Nikolaus da - die Plätzchen waren an- und aufgegessen, das Milchschälchen war leer und ein paar kleine Päckchen lagen draußen vor der Tür. Natürlich waren die Kerzen aus, denn das macht ja der Nikolaus ganz gewissenhaft, damit kein Haus abbrennt. Und wenn Ihr Euch jetzt fragt, was das denn für supersaftigleckere Lebkuchen sind, dann schaut doch einfach mal auf Stephies Blogpost nach dem Rezept. Da findet Ihr übrigens auch noch ganz viele andere super leckere Ideen zum Backen und Kochen. Sehr empfehlenswert! Die Plätzchen heißen Traumstücke und dazu muss ich ja wohn nichts mehr sagen, oder? Meine Familie hat direkt die Augen verdreht und der Nikolaus hat ja auch einige davon gegessen. (Eigentlich hat Michael er alle aufgegessen, aber da wir immer etwas liegen lassen, musste ich schnell nachfüllen…). Das Rezept für diese Leckerchen habe ich erst gestern bei Ute von benbino gelesen und so sind diese Plätzchen noch total frisch. Alt werden sie hier auch nicht ;)
Soweit alles wie immer. Aber dann mussten die Kinder in die Schule, und nach einer Hausaufgaben-Ratz-Fatz-Aktion sind sie mit Opa zum Training gefahren, um dann mit ihm Essen zu gehen und abends noch ein Spiel anzuschauen. Das bedeutet, dass ich seit heute Nachmittag um 15.00 Uhr ganz alleine bin.
Ungewohnt, aber nicht doof, und so habe ich mit brennenden Kerzen und Weihnachtsmusik in höllischer Lautstärke gebastelt. Eine Weihnachstskartenklebefläche, 3-D-Sterne und -Bäume und -Bälle als Baumschmuck, die jetzt noch an der Kartenleiste hängen (den Post dazu bekommt Ihr natürlich auch noch), habe Päckchen gepackt und Kaffee getrunken. Habe gebrannte Mandeln gemacht und mich über so viel stressfreie Vorweihnachtszeit gefreut. Und das ist mein Geschenk heute an mich. Und auch das meines Mannes, der mir diesen freien Nachmittag organisiert hat ❤. Ein entspannter Tag.
Jetzt ist es allerdings schon recht spät und ich hoffe, dass alle meine Lieben bald gesund wieder hier eintreffen werden, denn das Wetter hat von sehr windig über Schneeschauer bis Glatteis alles drauf heute und ganz tief in meinem Herzen bin ich nämlich eine verdammte Glucke.
Vor uns liegt ein ganz entspanntes Wochenende mit einem Besuch auf dem wunderschönen Weihnachtsmarkt in Münster und einem Treffen mit Traditionsessen bei ganz lieben Freunden. Kein Handballspiel am Wochenende und keine Klassenarbeit am Montag - das hatten wir schon lange nicht mehr und werden es sehr genießen.
Ich wünsche Euch ein schönes zweites Adventswochenende und sende Euch ganz liebe Grüße
Sandra
Mittwoch, 25. September 2013
Früher war alles besser....?
Kennen wir nicht alle diesen Spruch, ironisch oder ernst gemeint? Von älteren Leuten? Die den "alten Zeiten" hinterherjammern, die nicht im Jetzt ankommen wollen? Ich hatte Euch ja schon vorbereitet, ich werde ein paar Gedanken zum Thema Jugend aufschreiben.....
Ich finde, wir müssen aufpassen, das wir nicht genauso werden. Ja, wir leben heute in einer anderen Zeit als damals, als wir jung waren. Als es noch Telefone mit Tasten oder sogar Wählscheiben gab, als MTV noch Kult war, als wir in der Pause noch heimlich zum Bäcker gegangen sind, um Negerkussbrötchen für 55 Pfennig zu kaufen.
Aber die Zeiten sind vorbei und ob wir es gut finden oder nicht, sie kommen auch nicht wieder. Unsere Kinder leben in ihrer Zeit. Sie kennen nichts anderes und sind hier und jetzt glücklich. Sie verstehen die Aufregung um Handys, Smartphones und Internet nicht, und wenn wir nicht aufpassen, verpassen wir den Anschluß und Kontakt an unsere Kinder, in dem wir versuchen, sie von allem fernzuhalten.
Ich bin auch sehr lange vorsichtig und streng gewesen, was Fernseh- und Internetkonsum angeht und bin es auch immer noch. Aber ich enthalte es meinen Kindern nicht mehr vor. Wie sollen sie einen gesunden und vernünftigen Umgang mit dem Internet und allen anderen hochtechnologischen Medien lernen, wenn sie damit nicht umgehen dürfen.
Alles, was verboten ist, ist doch besonders interessant, oder? Ich selber finde Smartphones toll. Sie bieten so viele Möglichkeiten. Genauso wie das Internet. Auch soziale Netzwerke haben ihre Daseinsberechtigung und eröffnen mir die Möglichkeit ganz unkompliziert mit Freunden auf der ganzen Welt Kontakt zu halten, sie an meinem täglichen Leben teilhaben zu lassen. Was und wieviel ich ihnen zeige, bleibt dabei ja immer noch mir überlassen.
Klar, wo Licht ist, ist auch Schatten, und es lauern im Internet sehr viele Gefahren. Fotos gehen rasend schnell durch das Netz oder über Smartphones durch sämtliche Gruppen, Klassen, Schulen. Pornographie ist ein Thema, Gewalt, Spiele. Alles nicht so einfach.
Das größte Problem habe ich allerdings damit, meinen Kindern ernsthaft zu erklären, dass das alles gefährlich ist und ich aber im Internet, auf facebook und mit dem Smartphone unterwegs bin..... Wie soll das gehen? Darf ich alles weil ich erwachsen bin? Das gleiche Problem stellt sich übrigens beim Fahrradhelm. Tragt Ihr alle einen?
Ich bin dafür, die Kinder mit dem Internet auf jeden Fall ab Klasse 5 in Kontakt zu bringen. Sie anzuleiten, Zeiten einzuführen, sie zu kontrollieren (aber auf keinen Fall heimlich). Ich bin dafür, sie aufzuklären, Ihnen deutlich aufzuzeigen, wo die Gefahren sind, was passieren kann, und was auf gar keinen Fall geht. Sie am Anfang zu unterstützen, neben ihnen zu sitzen, wenn sie erste Erfahrungen z. B. bei facebook sammeln. Und vor allem, ihnen vertrauen und etwas zutrauen. Ich bin mit meinem 13jährigen Sohn uneingeschränkt bei facebook befreundet. Das war meine Bedingung. Ich kenne sein Passwort und sehe ja alle seine Aktivitäten. Und das sind eigentlich erstaunlich wenige.
Gerade gestern Abend bekam ich angezeigt, dass ihm ein Video gefällt. Es hatte den Namen "Die kürzeste Horrorgeschichte" und bei mir stellten sich sofort alle Nackenhaare auf. Zum Sprung bereit, klickte ich noch schnell auf den Link, um es mir anzugucken, bevor ich losmeckere. Und dann musste ich wirklich lachen. Ich sah zwei Männer auf einem Sofa sitzen, Farbtöne leicht gelblich und war auf Schocker vorbereitet, als ein weiterer Mann eine Lampe unter sein Gesicht hielt und ganz gruselig 'MONTAG' flüsterte. Die beiden anderen lachten sich schlapp. Ende.
Klar, kann man sich pornographische oder gewaltverherrlichende Fotos und Filme ganz einfach im Internet angucken, aber ganz ehrlich. Früher hatten doch auch alle Jungs Videocassetten schwarzkopiert von schwarzkopiert von schwarzkopiert, oder? Und da war auch alles von Schmuddel bis Horror oder Gemetzel dabei. Ich fand das eklig und habe nicht mitgeguckt. Die Wahlmöglichkeit haben unsere Kinder auch. Und ich glaube fest daran, dass sie sie auch nutzen.
Mama, der .... spielt auch schon Spiele ab 18 heimlich von seinem älteren Bruder. Und du? Ich habe mal geguckt, aber das finde ich zu hart. Auch zum Gucken. Na, bitte. Läuft.
Früher war auch nicht alles besser. Wir wundern uns über Miley Cyrus oder Bushido? Wir sind entsetzt von Texten und Tänzen? Ja, ich auch. Ich finde beide blöd. Ich bin über 40, ich darf das, aber meine Kinder müssen das nicht. Ich erinnere mich noch gut daran, dass meine Eltern auch kein Verständnis für Madonna und The Cure hatten (oder sie gar nicht kannten). Dass sie Madonna in Nonnentracht oder Korsage ganz schlimm fanden. Mein Lieblingslied war "Jeanny" von Falco, das wollten sie mir verbieten. Wir fanden es damals cool und überhaupt nichts dabei. Ich fand Madonna toll. Wollte ich deshalb genauso aussehen wie sie? Oder so tanzen? Eigentlich nicht. Das war Video, Musik, das war nicht mein Leben.
Bei allem, was wir unseren Kindern in der schnelllebigen Zeit in der Schule, im Verkehr, im Umfeld abverlangen, was sie so leisten müssen, müssen wir ihnen nicht zutrauen, dass sie genauso denken wie wir früher? Dass sie unterscheiden können zwischen Realität und Show?
Ich habe viel Angst um meine Kinder, das wird mir als Mutter auch niemand nehmen können. Vor allem, weil ich auch nicht immer brav war und Mist gemacht habe. Getoppt natürlich um Längen von meinem jüngeren Bruder ;-) Vielleicht bin ich auch deshalb ängstlich? Weil ich weiß, was möglich ist? Auch früher hatten Mütter schon Angst vor KO-Tropfen im Diskoglas. Sagt man überhaupt noch Disko? Club wahrscheinlich ;-)......Meine Mutter hat mir z. B. schon immer gepredigt, nicht mein Glas aus den Augen zu lassen.
Und werden die Kinder/ Jugendlichen hemmungsloser? Verleitet das Internet, früher erwachsen zu werden, und Klartext: früher Sex zu haben? Eindeutig NEIN:
"In der Tat hat sich das Durchschnittsalter für den ersten Geschlechtsverkehr im Lauf der Jahre kaum geändert und liegt der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge immer noch bei ca. 15 Jahren (14,9 bei den Mädchen und 15,1 bei den Jungen)." Quelle: gofeminin.de
Und die Welt schreibt dazu: "Im Gegensatz zur landläufigen Meinung kam die Studie außerdem zu dem Schluss, dass Jugendliche ihre ersten Sexualkontakte nicht in deutlichem jüngerem Alter haben als früher. In fast allen untersuchten Ländern erlebten die Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren ihr "erstes Mal", die Mädchen dabei ein wenig früher als die Jungen." Quelle: Welt.de
Also, das hat mich total erstaunt aber unglaublich beruhigt. Meine Mutter hat früher immer gesagt, sie findet erwachsen werden in der "heutigen Zeit" - den 80ern - schwieriger als zu ihrer Zeit. Ich denke heute das Gleiche. Für uns war es scheinbar einfacher. Aber ich habe es nicht als schwierig empfunden, es war meine Zeit und ich gehörte dahin. Ich musste nicht mit dem Vergleich leben, ich kannte nichts anderes. Ja, da war die Umgehungsstrasse und da die Fussgängerzone. Ob es beides früher mal nicht gegeben hatte, interessierte mich nicht. Die Wege waren so und wurden von mir nicht in Frage gestellt. Wisst Ihr, was ich meine?
Ich glaube, unsere Kinder leiden nicht in ihrer Zeit. Sie werden höchstens verunsichert, wenn wir ihnen große Teile vorenthalten und vieles schlecht und gefährlich reden. Medienbalance ist das Zauberwort. Aber Balance ist immer BEIDES. Und wir sind uns einig, ich rede nicht von Kindergartenkindern und auch nicht unbedingt von Grundschülern. Ich rede von den Kindern, die ab der 5. Klasse auf weiterführende Schulen gehen. Es gehört sowieso zu ihrem Leben dazu.
Erklären wir Ihnen das Internet, die sozialen Netzwerke. Zeigen wir ihnen die guten Seiten auf, warnen wir Sie vor den Gefahren, aber lassen wir sie im geschützten Rahmen ihre eigenen Erfahrungen machen. Wie sollen sie es sonst lernen. In unserer Schule gibt es regelmässig für die Unterstufe eine IT-Themenwoche vor den Herbstferien. Jeden Tag ein anderes Thema: soziale Netzwerke, Internet allgemein, Computerspiele und Cybermobbing inklusive Theaterstück. Abends dann für die Eltern den dazugehörigen Elternabend, denn nur was man selber kennt, kann man beurteilen.
Ich habe meinem Sohn erklärt, dass er nur Fotos von sich posten darf, die er auch jederzeit gerne auf unserem Marktplatz hängen sehen möchte. Das ist für ihn die Vorgabe, und auch für mich. Für Felix in der 4. Klasse gibt es natürlich noch sehr viel mehr Einschränkungen, aber ganz fremd ist ihm die Nutzung vom iPad (ohne Internetzugang) nicht.
Wichtig ist auf jeden Fall, dran zu bleiben und Anteil zu haben, an den Kindern, ihren Themen, ihrer Musik, ihrem Geschmack, ihrem Leben, und Verständnis. Das schaffen wir nicht mit Hysterie und Verboten, sondern mit Realismus und der Erinnerung an unsere eigene Pubertät und Jugend.
Dienstag, 24. September 2013
Das Hausaufgabenthema beschäftigt uns alle! Nachtrag
Ich merke, das Thema Schule und Hausaufgaben lässt Euch genauso wenig kalt wie mich. Es gibt die unterschiedlichsten Erfahrungen und Gedanken zu dem Thema. Vielen von Euch geht es ähnlich wie mir. Aber weil wir uns austauschen können, wird es einfacher, können wir voneinander profitieren. Vielen Dank für Eure zahlreichen Rückmeldungen!
Ich bin zum Beispiel oberbegeistert von dem Spruch, den Rieke mir geschrieben hat: 4 gewinnt. Zuerst musste ich überlegen, denn ich versuchte, das SPIEL irgendwie in meinem Thema unterzubringen..... Jetzt bin ich mir sicher, ich habe es geschnallt und Du hast so recht Rieke!
Hausaufgabentheater kann so belastend sein und den Familienfrieden ernsthaft gefährden. Aber woran liegt das? Sicherlich sind beide Seiten gefragt. Bei uns lag es sicherlich oft an mir, weil ich das Thema zu ernst genommen habe, aber auch an Max. Ich kann da ja nur von meinem Sohn sprechen, aber er hat einfach jeden Tag den Sinn der Hausaufgaben hinterfragt. Warum soll ich etwas üben, was ich morgens schon verstanden habe. Warum soll ich nachmittags etwas für die Schule tun, wo ich doch schon den ganzen Morgen dort war. Papa arbeitet auch nur im Büro und nicht danach noch zu Hause.
Tja, wie gesagt, ich habe ein diskutierfreudiges Kind ;-) Das habe ich davon, dass ich ihm mit 8 Monaten das erste Buch vorgelesen habe.... Er ist so sprachgewaltig, das macht mich manchmal fertig. Ich spreche hier übrigens bewusst von einem Kind und nicht von Beiden, denn, wie schon erwähnt, gibt es dank der Waldorfpädagogik mit dem zweiten Kind kaum bis gar keinen Stress in der Schule oder danach. Dazu werde ich aber mal einen gesonderten Post schreiben.
Max hat (Gott sei Dank) einen ganz eigenen Kopf mit für ihn logischen Gedanken, die sich nur mir als Mutter und Erwachsene nicht immer gleich erschließen und ganz viel Einfühlungsvermögen bedürfen, um dahinter zu kommen. Ich schreibe Euch das jetzt nicht, um zu jammern, sondern um Euch Mut zu machen, auch mal andere Wege einzuschlagen. Euch zurückzuziehen, eine Weile nicht zu kontrollieren zum Beispiel. Das hätte mir schon so manchen Streit und Sorgen erspart. Ich habe damals mal in der Schule angefragt, ob wir eine andere Regelung finden können, aber die ansonsten tolle Klassenlehrerin wollte keine Ausnahmen machen.
Hier eine Anekdote: Max hat bis zum Schulbeginn so viele Bücher vorgelesen bekommen und angeguckt, dass es Bereiche gab, in denen es keine Kinderliteratur mehr gab und wir ihm Erwachsenen-Bücher gekauft und vorgelesen haben. Wir haben hier in der Familie Bücher als "Nicht-Spielzeug" deklariert, so dass wir immer welche kaufen konnten :) Ich bin fest davon ausgegangen, dass er in der Schule ganz schnell lesen lernt, damit er seinen Wissensdurst nun endlich allein stillen kann, aber dieses Kind hat überhaupt nicht lesen gelernt!!! Totalverweigerung!
Warum? Scheiterte es am Können? Nee, er hatte von einem älteren Freund gehört, dass dieser abends im Bett jetzt alleine liest und da hat er sich gedacht, dass er sich ja in's eigene Fleisch schneidet, wenn er lesen lernt, denn dann würden wir nicht mehr zusammen im Bett kuscheln und lesen vor dem Einschlafen. Also würde er das mal schön lassen. Als ich dahinter gekommen bin und ihm erklärt habe, dass wir doch erst ganz normal vorlesen können wie immer und er anschließend noch ein bisschen alleine liest, hat er innerhalb von ein paar Tagen so flüssig gelesen, dass er den Lesewettbewerb der Klasse gewonnen hat.....
Versteht Ihr, was ich meine? Als ich beim Elternabend der zweiten Klasse gesehen habe, wie fleissig alle Kinder schon in ihrer Lernwerkstatt gearbeitet hatten und Max in seiner Mappe nicht ein einziges Wort, eine einzige Aufgabe geschrieben hatte, habe ich ihn danach gefragt. Mama, hat er gesagt, die Anderen sind doch blöd, erst arbeiten sie so schnell, und wenn sie dann endlich fertig sind, müssen sie noch mehr Aufgaben machen? Das ist doch keine Belohnung sondern Strafe. Ich arbeite so langsam, dass für zusätzliche Aufgaben keine Zeit mehr ist, dann werde ich auch nicht damit bestraft..... Irgendwie hat er ja recht, oder?!
So, genug zum Thema Hausaufgaben jetzt von meiner Seite. Ich freue mich, weiter von Euch zu hören, wie Ihr dem Hausaufgaben-Stress aus dem Weg geht, und wie Eure Erfahrungen und Gedanken dazu sind. Ich bin mir sicher, dass unser gewählter Weg für uns richtig ist und geniesse die schönen Stunden mit den Kindern.
Seit einer halben Stunde liegen hier jetzt übrigens beide Kinder mit verschiedenen Krankheiten flach und ich kuschel mich einfach mal ein bisschen dazu. Zur Zeit liegen sie noch in ihren Betten, aber zusammen werden wir jetzt das Sofa unsicher machen, Tee trinken und vorlesen. Vorher muss ich es nur noch wieder beziehen. Morgen kommt doch das Fotoshooting-Team, da habe ich es ganz schnell noch mal gewaschen...... Hätte die Werbeagentur heute morgen um 8.30 anstatt 11.30 angerufen, um mir zu erzählen, dass sie für das Shooting ein Sofa und Sessel ausgeliehen haben, die sie mitbringen, hätte ich mir das vielleicht gespart....
Ich bin jetzt auf jeden Fall total gespannt auf morgen und hoffe, ich kann davon berichten!
Liebe Grüße
Sandra
Ich bin zum Beispiel oberbegeistert von dem Spruch, den Rieke mir geschrieben hat: 4 gewinnt. Zuerst musste ich überlegen, denn ich versuchte, das SPIEL irgendwie in meinem Thema unterzubringen..... Jetzt bin ich mir sicher, ich habe es geschnallt und Du hast so recht Rieke!
Hausaufgabentheater kann so belastend sein und den Familienfrieden ernsthaft gefährden. Aber woran liegt das? Sicherlich sind beide Seiten gefragt. Bei uns lag es sicherlich oft an mir, weil ich das Thema zu ernst genommen habe, aber auch an Max. Ich kann da ja nur von meinem Sohn sprechen, aber er hat einfach jeden Tag den Sinn der Hausaufgaben hinterfragt. Warum soll ich etwas üben, was ich morgens schon verstanden habe. Warum soll ich nachmittags etwas für die Schule tun, wo ich doch schon den ganzen Morgen dort war. Papa arbeitet auch nur im Büro und nicht danach noch zu Hause.
Tja, wie gesagt, ich habe ein diskutierfreudiges Kind ;-) Das habe ich davon, dass ich ihm mit 8 Monaten das erste Buch vorgelesen habe.... Er ist so sprachgewaltig, das macht mich manchmal fertig. Ich spreche hier übrigens bewusst von einem Kind und nicht von Beiden, denn, wie schon erwähnt, gibt es dank der Waldorfpädagogik mit dem zweiten Kind kaum bis gar keinen Stress in der Schule oder danach. Dazu werde ich aber mal einen gesonderten Post schreiben.
Max hat (Gott sei Dank) einen ganz eigenen Kopf mit für ihn logischen Gedanken, die sich nur mir als Mutter und Erwachsene nicht immer gleich erschließen und ganz viel Einfühlungsvermögen bedürfen, um dahinter zu kommen. Ich schreibe Euch das jetzt nicht, um zu jammern, sondern um Euch Mut zu machen, auch mal andere Wege einzuschlagen. Euch zurückzuziehen, eine Weile nicht zu kontrollieren zum Beispiel. Das hätte mir schon so manchen Streit und Sorgen erspart. Ich habe damals mal in der Schule angefragt, ob wir eine andere Regelung finden können, aber die ansonsten tolle Klassenlehrerin wollte keine Ausnahmen machen.
Hier eine Anekdote: Max hat bis zum Schulbeginn so viele Bücher vorgelesen bekommen und angeguckt, dass es Bereiche gab, in denen es keine Kinderliteratur mehr gab und wir ihm Erwachsenen-Bücher gekauft und vorgelesen haben. Wir haben hier in der Familie Bücher als "Nicht-Spielzeug" deklariert, so dass wir immer welche kaufen konnten :) Ich bin fest davon ausgegangen, dass er in der Schule ganz schnell lesen lernt, damit er seinen Wissensdurst nun endlich allein stillen kann, aber dieses Kind hat überhaupt nicht lesen gelernt!!! Totalverweigerung!
Warum? Scheiterte es am Können? Nee, er hatte von einem älteren Freund gehört, dass dieser abends im Bett jetzt alleine liest und da hat er sich gedacht, dass er sich ja in's eigene Fleisch schneidet, wenn er lesen lernt, denn dann würden wir nicht mehr zusammen im Bett kuscheln und lesen vor dem Einschlafen. Also würde er das mal schön lassen. Als ich dahinter gekommen bin und ihm erklärt habe, dass wir doch erst ganz normal vorlesen können wie immer und er anschließend noch ein bisschen alleine liest, hat er innerhalb von ein paar Tagen so flüssig gelesen, dass er den Lesewettbewerb der Klasse gewonnen hat.....
Versteht Ihr, was ich meine? Als ich beim Elternabend der zweiten Klasse gesehen habe, wie fleissig alle Kinder schon in ihrer Lernwerkstatt gearbeitet hatten und Max in seiner Mappe nicht ein einziges Wort, eine einzige Aufgabe geschrieben hatte, habe ich ihn danach gefragt. Mama, hat er gesagt, die Anderen sind doch blöd, erst arbeiten sie so schnell, und wenn sie dann endlich fertig sind, müssen sie noch mehr Aufgaben machen? Das ist doch keine Belohnung sondern Strafe. Ich arbeite so langsam, dass für zusätzliche Aufgaben keine Zeit mehr ist, dann werde ich auch nicht damit bestraft..... Irgendwie hat er ja recht, oder?!
So, genug zum Thema Hausaufgaben jetzt von meiner Seite. Ich freue mich, weiter von Euch zu hören, wie Ihr dem Hausaufgaben-Stress aus dem Weg geht, und wie Eure Erfahrungen und Gedanken dazu sind. Ich bin mir sicher, dass unser gewählter Weg für uns richtig ist und geniesse die schönen Stunden mit den Kindern.
Seit einer halben Stunde liegen hier jetzt übrigens beide Kinder mit verschiedenen Krankheiten flach und ich kuschel mich einfach mal ein bisschen dazu. Zur Zeit liegen sie noch in ihren Betten, aber zusammen werden wir jetzt das Sofa unsicher machen, Tee trinken und vorlesen. Vorher muss ich es nur noch wieder beziehen. Morgen kommt doch das Fotoshooting-Team, da habe ich es ganz schnell noch mal gewaschen...... Hätte die Werbeagentur heute morgen um 8.30 anstatt 11.30 angerufen, um mir zu erzählen, dass sie für das Shooting ein Sofa und Sessel ausgeliehen haben, die sie mitbringen, hätte ich mir das vielleicht gespart....
Ich bin jetzt auf jeden Fall total gespannt auf morgen und hoffe, ich kann davon berichten!
Liebe Grüße
Sandra
Vertrauen und Verantwortung, Loslassen und Gelassen sein
Wie ich schon im letzten Post erwähnt habe, gab es in meiner liebsten facebook-Gruppe einen Vorfall in der Klasse eines Sohnes mit Fotos, die über Whatsapp-Gruppen verbreitet wurden, die letztendlich zum Schulwechsel, Schulverweis und strafrechtlicher Verfolgung einiger Kinder gesorgt haben. Es gibt ja leider viele solche Geschichten, die mit großer Scham bis Selbstmord enden. Leider, es ist ganz fürchterlich. Da der Sohn ungefähr so alt ist, wie mein ältester Sohn, und sie, zwar in unterschiedlichen Orten Deutschlands, aber in die gleiche Jahrgangsstufe gehen, hat mich das auch sehr beschäftigt und mich viel nachdenken lassen. Was lerne ich daraus? Was muss ich tun? Wie kann man so etwas verhindern? Bin ich auf dem richtigen Weg oder verlaufe ich mich auf dem Holzweg?
Mobbing, Cybermobbing, Gefahren des Internets, Soziale Netzwerke, Smartphones, Gruppenchat, aber auch Computerspiele, Youtube, Musik, Schule, Alkohol, Rauchen, Pubertät....
In der Gruppe sind wir uns auf jeden Fall einig, dass das ein schlimmes Ereignis war, dass wir unseren Kindern ersparen möchten. Doch jeder macht sich seine eigenen Gedanken und geht das Thema letztendlich natürlich auf seine Weise an.
Pubertät ist schwierig, auch ohne Internet und Smartphones. Für die Kinder und für die Eltern. Das war wohl schon immer so und wird auch so bleiben. Ich glaube, für die Kinder wird es schwieriger, denn Pubertät heißt ja auch, sich abzugrenzen von den Eltern. Früher mussten wir dazu übergroße Blazer oder Pullover anziehen, Fransen an die Jeans fummeln oder ne Latzhose anziehen, laute Musik hören und Kaugummi kauen, dann waren wir ANDERS. Aber heute? Was müssen die Kinder anstellen, wenn die Eltern genauso rumlaufen wie sie? Wenn Eltern fit, modern und sportlich sind. Wenn sie gepierct und tättowiert sind, wenn sie surfen und skaten, wenn sie Kino lieben und Einslive hören, Turnschuhe tragen und Fastfood essen. Abgrenzen wird dadurch immer schwieriger und extremer.
Das sollten wir im Hinterkopf haben, wenn wir uns z. B. über extrem kurze HotPants bei Mädchen oder extrem runtergezogene Jeans bei Jungs wundern. Über seltsame Kappen und wunderliche Posen. Das sind wenigstens Dinge, die sie bei den Eltern nicht finden, oder?
Ich erzähle Euch einfach mal meine Gedanken, ob sie richtig und für meine Familie gut sind, weiss ich jetzt noch nicht, das werden wir in einigen Jahren sehen. Da das ein so komplexes Thema ist, wird es auf jeden Fall mehrere Posts dazu geben, ich glaube, das ist ganz sinnvoll, damit es nicht zuuu lang wird und Euch am Ende der Kopf genauso schwirrt wie mir.
Heute erzähle ich Euch von meinen Gedanken zum Thema Hausaufgaben. Ein Problem, das uns mehrere Jahre beschäftigt hat, denn Hausaufgaben nachzugucken bei einem Kind, dass diskutierfreudiger ist als jeder Debattierclub, ist NICHT lustig! Und ich weiß von einigen Freundinnen, dass auch sie es nicht leicht haben bei den Hausaufgaben und an den Gedankengängen der Kinder manchmal fast verzweifeln.
Nachdem ich in der Grundschulzeit mit Max permanent Theater wegen der Hausaufgaben hatte:
Mama, das haben wir aber so gelernt, wir machen das jetzt so.
Nein, Max, das kann nicht.
Aber bei uns ist das so. Frag Frau W....
Max, 2 + 2 sind 4 und nicht 5, da brauche ich Frau W... nicht fragen.
Doch Mama, sie hat uns das aber so erklärt.
Nein, Max. Da vertust du dich.
Mama, nein, hör mir doch mal zu.
Da brauche ich Dir nicht zu hören, 2 + 2 ist immer vier.
Du bist so gemein, Mama.
Nein, Maxi, das möchte ich nicht, aber 2 + 2 sind immer vier.
Aber bei uns nicht, Mama, wirklich, wir haben das anders gelernt. Nie glaubst Du mir.........
.... habe ich mir geschworen, mich auf dem Gymnasium nicht mehr zu kümmern. Am Anfang habe ich es dann noch versucht, aber der Familienfrieden ist wichtiger als Schule ;-) Und jetzt weiß ich, dass es auch gut so ist, denn wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, dann war ich immer eine ganz gute Schülerin. Nicht super, aber guter Durchschnitt oder ein bisschen besser vielleicht. Egal, aber niemand hat jemals meine Hausaufgaben kontrolliert.
Ich habe manchmal bewusst KEINE Hausaufgaben gemacht, weil ich lieber eine Freundin treffen wollte, keine Lust hatte oder warum auch immer. Am nächsten Morgen musste ich mir dann die Hausaufgaben besorgen und schnell im Bus abschreiben. Oder in der Pause. Um dann im Unterricht zu sitzen und zu hoffen, dass ich jetzt nicht die gleiche Inhaltsangabe vorlesen muss wie meine Freundin gerade eben. Ich habe gelernt, wann es besser war, unsichtbar zu werden oder bei wem man besser ganz dreist auftrat, um nicht aufzufallen. Ich habe das Gefühl kennengelernt, wenn man vor der ganzen Klasse Ärger bekommen hat, weil man keine Hausaufgaben hatte und dass man beim Erledigen in letzter Minute nicht sehr kreativ ist. Ich habe gelernt mit Mut zur Lücke zu arbeiten, zu improvisieren oder mich reumütig zu zeigen.
Ich habe im Laufe meiner Klausurenkarriere einige Spickzettel geschrieben. In die Hand, in's Etui, auf's Etui, auf's Radiergummi, auf Zettel, auf Tische.... Eigentlich konnte ich das, was ich da aufgeschrieben hatte dann ja doch irgendwie schon und brauchte die Spickzettel häufig gar nicht mehr und habe daraus gelernt, dass ich gut lernen kann, wenn ich es aufschreibe.
Das war mir damals natürlich alles nicht so klar, aber wenn ich es heute so überlege, ist es doch eigentlich sehr wertvoll und wichtig. Wenn ich jetzt meinem Sohn aber jeden Tag die Hausaufgaben nachgucken würde, hätte er zwar immer korrekte Hausaufgaben, aber gleichzeitig auch nie die Chance, sich zu organisieren, Wichtig von Unwichtig zu trennen, Prioritäten zu setzen. Seine optimale Lernmethode herauszufinden. Oder auch nur zu lernen, dass man mit Nichtlernen auch keine guten Noten bekommt.
Und ich würde ihm auch manche lustige Erinnerung nehmen, die ich mit nicht gemachten Hausaufgaben verknüpfe. Morgens um 6.35 am Sortiertisch bei der Hauptpost, um 9.35 auf der Schultoiletten-Klobrille, hinter dem Fahrradständer (doppelt gefährlich, da verbotenes Terrain), unter dem Tisch in der Stunde vorher und und und.
Manchmal fällt es mir schwer, mich nicht einzumischen, denn ich gucke ja schon etwas weiter und weiss auch, dass sich nicht erlernte Themen zu einem großen Berg aufhäufen, der irgendwann vielleicht nicht mehr erklommen werden kann. Aber vielleicht weiss ich das auch nur, weil ich es erfahren habe?
Ich habe mir fest vorgenommen, an dem eingeschlagenen Weg festzuhalten, auch wenn es manchmal schwer ist, sich nicht einzumischen, sondern loszulassen und zu vertrauen. Ich habe deutlich signalisiert, dass ich da bin, wenn meine Hilfe erwünscht ist und gerne helfe, erkläre, abfrage. Und das funktioniert bisher ganz gut, da klappt dann sogar unser Vokabel-Experiment.
Aus den Kämpfen des älteren Bruders profitiert Felix natürlich sehr. Bei ihm kann ich das ganze Schulthema sehr viel gelassener angehen und da zeigt sich auch wieder, wie gut die Schulform Waldorfschule in dem Punkt ist.
Es gibt keine Noten, keinen Notendruck. Jedes Kind macht das, was es kann und das macht es gut. Nicht, weil es Noten dafür bekommt, nicht, weil die Eltern das wollen, sondern weil sie es selber gut machen wollen. Ein tolles Konzept. Da gibt es keinen Stress, da gibt es keine Schulentscheidung nach der 4. Klasse. Da kann das Kind in seinem eigenen Lerntempo lernen und alles ist gut.
Aus Fehlern wird man klug, der Satz ist so richtig wie alt und so schwer es mir auch manchmal fällt, die Kinder werden nicht aus meinen Fehlern klug, sondern haben das Recht auf eigene Erfahrungen und eigene Fehler.
Liebe Grüße
Mobbing, Cybermobbing, Gefahren des Internets, Soziale Netzwerke, Smartphones, Gruppenchat, aber auch Computerspiele, Youtube, Musik, Schule, Alkohol, Rauchen, Pubertät....
In der Gruppe sind wir uns auf jeden Fall einig, dass das ein schlimmes Ereignis war, dass wir unseren Kindern ersparen möchten. Doch jeder macht sich seine eigenen Gedanken und geht das Thema letztendlich natürlich auf seine Weise an.
Pubertät ist schwierig, auch ohne Internet und Smartphones. Für die Kinder und für die Eltern. Das war wohl schon immer so und wird auch so bleiben. Ich glaube, für die Kinder wird es schwieriger, denn Pubertät heißt ja auch, sich abzugrenzen von den Eltern. Früher mussten wir dazu übergroße Blazer oder Pullover anziehen, Fransen an die Jeans fummeln oder ne Latzhose anziehen, laute Musik hören und Kaugummi kauen, dann waren wir ANDERS. Aber heute? Was müssen die Kinder anstellen, wenn die Eltern genauso rumlaufen wie sie? Wenn Eltern fit, modern und sportlich sind. Wenn sie gepierct und tättowiert sind, wenn sie surfen und skaten, wenn sie Kino lieben und Einslive hören, Turnschuhe tragen und Fastfood essen. Abgrenzen wird dadurch immer schwieriger und extremer.
Das sollten wir im Hinterkopf haben, wenn wir uns z. B. über extrem kurze HotPants bei Mädchen oder extrem runtergezogene Jeans bei Jungs wundern. Über seltsame Kappen und wunderliche Posen. Das sind wenigstens Dinge, die sie bei den Eltern nicht finden, oder?
Heute erzähle ich Euch von meinen Gedanken zum Thema Hausaufgaben. Ein Problem, das uns mehrere Jahre beschäftigt hat, denn Hausaufgaben nachzugucken bei einem Kind, dass diskutierfreudiger ist als jeder Debattierclub, ist NICHT lustig! Und ich weiß von einigen Freundinnen, dass auch sie es nicht leicht haben bei den Hausaufgaben und an den Gedankengängen der Kinder manchmal fast verzweifeln.
Nachdem ich in der Grundschulzeit mit Max permanent Theater wegen der Hausaufgaben hatte:
Mama, das haben wir aber so gelernt, wir machen das jetzt so.
Nein, Max, das kann nicht.
Aber bei uns ist das so. Frag Frau W....
Max, 2 + 2 sind 4 und nicht 5, da brauche ich Frau W... nicht fragen.
Doch Mama, sie hat uns das aber so erklärt.
Nein, Max. Da vertust du dich.
Mama, nein, hör mir doch mal zu.
Da brauche ich Dir nicht zu hören, 2 + 2 ist immer vier.
Du bist so gemein, Mama.
Nein, Maxi, das möchte ich nicht, aber 2 + 2 sind immer vier.
Aber bei uns nicht, Mama, wirklich, wir haben das anders gelernt. Nie glaubst Du mir.........
.... habe ich mir geschworen, mich auf dem Gymnasium nicht mehr zu kümmern. Am Anfang habe ich es dann noch versucht, aber der Familienfrieden ist wichtiger als Schule ;-) Und jetzt weiß ich, dass es auch gut so ist, denn wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, dann war ich immer eine ganz gute Schülerin. Nicht super, aber guter Durchschnitt oder ein bisschen besser vielleicht. Egal, aber niemand hat jemals meine Hausaufgaben kontrolliert.
Ich habe manchmal bewusst KEINE Hausaufgaben gemacht, weil ich lieber eine Freundin treffen wollte, keine Lust hatte oder warum auch immer. Am nächsten Morgen musste ich mir dann die Hausaufgaben besorgen und schnell im Bus abschreiben. Oder in der Pause. Um dann im Unterricht zu sitzen und zu hoffen, dass ich jetzt nicht die gleiche Inhaltsangabe vorlesen muss wie meine Freundin gerade eben. Ich habe gelernt, wann es besser war, unsichtbar zu werden oder bei wem man besser ganz dreist auftrat, um nicht aufzufallen. Ich habe das Gefühl kennengelernt, wenn man vor der ganzen Klasse Ärger bekommen hat, weil man keine Hausaufgaben hatte und dass man beim Erledigen in letzter Minute nicht sehr kreativ ist. Ich habe gelernt mit Mut zur Lücke zu arbeiten, zu improvisieren oder mich reumütig zu zeigen.
Ich habe im Laufe meiner Klausurenkarriere einige Spickzettel geschrieben. In die Hand, in's Etui, auf's Etui, auf's Radiergummi, auf Zettel, auf Tische.... Eigentlich konnte ich das, was ich da aufgeschrieben hatte dann ja doch irgendwie schon und brauchte die Spickzettel häufig gar nicht mehr und habe daraus gelernt, dass ich gut lernen kann, wenn ich es aufschreibe.
Das war mir damals natürlich alles nicht so klar, aber wenn ich es heute so überlege, ist es doch eigentlich sehr wertvoll und wichtig. Wenn ich jetzt meinem Sohn aber jeden Tag die Hausaufgaben nachgucken würde, hätte er zwar immer korrekte Hausaufgaben, aber gleichzeitig auch nie die Chance, sich zu organisieren, Wichtig von Unwichtig zu trennen, Prioritäten zu setzen. Seine optimale Lernmethode herauszufinden. Oder auch nur zu lernen, dass man mit Nichtlernen auch keine guten Noten bekommt.
Und ich würde ihm auch manche lustige Erinnerung nehmen, die ich mit nicht gemachten Hausaufgaben verknüpfe. Morgens um 6.35 am Sortiertisch bei der Hauptpost, um 9.35 auf der Schultoiletten-Klobrille, hinter dem Fahrradständer (doppelt gefährlich, da verbotenes Terrain), unter dem Tisch in der Stunde vorher und und und.
Manchmal fällt es mir schwer, mich nicht einzumischen, denn ich gucke ja schon etwas weiter und weiss auch, dass sich nicht erlernte Themen zu einem großen Berg aufhäufen, der irgendwann vielleicht nicht mehr erklommen werden kann. Aber vielleicht weiss ich das auch nur, weil ich es erfahren habe?
Ich habe mir fest vorgenommen, an dem eingeschlagenen Weg festzuhalten, auch wenn es manchmal schwer ist, sich nicht einzumischen, sondern loszulassen und zu vertrauen. Ich habe deutlich signalisiert, dass ich da bin, wenn meine Hilfe erwünscht ist und gerne helfe, erkläre, abfrage. Und das funktioniert bisher ganz gut, da klappt dann sogar unser Vokabel-Experiment.
Aus den Kämpfen des älteren Bruders profitiert Felix natürlich sehr. Bei ihm kann ich das ganze Schulthema sehr viel gelassener angehen und da zeigt sich auch wieder, wie gut die Schulform Waldorfschule in dem Punkt ist.
Es gibt keine Noten, keinen Notendruck. Jedes Kind macht das, was es kann und das macht es gut. Nicht, weil es Noten dafür bekommt, nicht, weil die Eltern das wollen, sondern weil sie es selber gut machen wollen. Ein tolles Konzept. Da gibt es keinen Stress, da gibt es keine Schulentscheidung nach der 4. Klasse. Da kann das Kind in seinem eigenen Lerntempo lernen und alles ist gut.
Liebe Grüße
Samstag, 14. September 2013
Vokabeln abfragen kann viel Spass machen - zumindest MIR
So, die Schule hat wieder angefangen und damit für die Kinder auch leider wieder das lästige, aber doch so wichtige Lernen. In diesem Fall das Vokabeln-Lernen. Wenn Ihr ein Kind habt wie ich, das für jede Minute Lernen 5 Minuten diskutiert, wisst Ihr, wie schrecklich es sein kann, Vokabeln abzufragen.
Wir haben schon alles ausprobiert, Phase-6, Karteikarten und diverse andere Systeme bishin zu Ignoranz meinerseits..... Alles recht unbefriedigend. Seit einiger Zeit haben wir eine neue Übereinkunft und die funktioniert erstaunlich gut und macht, vor allem mir, höllisch Spaß. Deshalb erzähle ich Euch heute mal davon.
Der Deal ist folgender: er lernt jeden Tag 10 Vokabeln für jede Sprache. Das ist tatsächlich überhaupt nicht viel und inklusive abschreiben sehr schnell erledigt. Die 10 Vokabeln sind unabhängig von den Hausaufgabenvokabeln oder dem Voranschreiten im Unterricht. Immer 10 Vokabeln. Das passt erstaunlicherweise gut, meistens ist er der Klasse etwas voraus.
Am Ende der Woche frage ich die jeweils 40 Vokabeln dann ab, und dann beginnt mein Spaß :)..... Denn immer, wenn er eine Vokabel nicht weiß, versuche ich ein entsprechendes englisches oder französisches Lied zu finden, mit dem ich ihn quälen kann. Das fällt mir, als 80er Mädchen, das in ihrer gesamten Jugend vor dem Plattenspieler und CD-Player gesessen hat, um die Liedtexte auswendig zu lernen, die auf der Platten- oder in der CD-Hülle waren, nicht besonders schwer und quält ihn mit Synthesizer-Pop, Schnulzen oder gar französischen Popgruppen à la Indochine.....
Hahaha, ich habe höllischen Spaß daran, und er versucht dieser Folter durch ordentliches Lernen zu entgehen. Es ist aber erfolgsversprechend, denn seitdem er Anfang der 5. Klasse zum Beispiel mal nicht wusste, was "manchmal" heißt und er sich dafür Erasure mit Sometimes anhören musste, hat er weder das Wort noch das Lied je vergessen, da kann man ihn auch nachts für wecken.....
Was will man mehr, oder?!
Und als Belohnung für ordentliches Lernen verabreden wir am Monatsanfang etwas, was wir dann am Ende zusammen machen. So haben wir zum Schluss alle etwas davon.
Verschmitzte Grüße




































