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Mittwoch, 21. Mai 2014

Allein unter Männern....

Ich liebe meine drei Männer! Uneingeschränkt! Sie bringen mich zum Lachen, sie rühren mich zu Tränen, sie ärgern und lieben mich, sie bringen mich manchmal an den Rand der Verzweiflung. Sie erinnern mich daran, was es heißt eine Frau zu sein. Sie lieben mich in hohen Schuhen und in Kleidern. Sie mögen lange Haare und sind sehr unkritisch......  Ich liebe es, "meine Jungs" sagen zu können und ich bin unendlich stolz auf sie. Auf jeden Einzelnen. 

Alles ohne Wenn und Aber. Und manchmal, so wie heute morgen, kann ich über sie lachen, auch wenn sie gar nicht da sind. Hier mein Tatsachenbericht mit Bildern.

Montag Spätnachmittag, gegen 17.00 Uhr: 
Ich freue mich immer noch und immer wieder über die schönen ersten Pfingstrosen dieses Jahres, die ich geschenkt bekommen habe, und beschließe, dass der beste Platz dafür nicht der Esstisch ist, sondern der Konsoltisch vor der grauen Wand im Flur. Schnell noch was dazu dekoriert. Fertig. Mir gefällt es so. Schön!



Dienstag Morgen, 7.38 Uhr: 
Im Rahmen meiner Sportchallenge schleiche ich ganz leise um 6.25 aus dem Haus, um im Freibad zu schwimmen. (Das erste Mal übrigens, dass es über 10 Grad sind, am Freitag waren es noch 5,5.) An den Tagen, an denen ich also morgens so früh schwimmen gehe, sehe ich meine Männer nur noch beim Verlassen des Hauses, wenn SIE Richtung Schule und Büro aufbrechen und ICH wiederkomme.

Ein schnelles Winken und weg sind sie. Die stylische Mädchendeko konnten sie aber wohl so nicht auf sich sitzen lassen und haben die Gunst der Stunde genutzt. 



Dienstag Morgen, 8.15 Uhr:
Nach einem erstickungsähnlichen Lachanfall ist jetzt alles wieder beim Alten. Ich habe lediglich einen Glaswand um den Konsoltisch gezogen, Videokameras installiert und den Flur mit einem Labyrinth aus Laserstrahlen geschützt. Jetzt wird die Hand nur noch umgeformt, wenn sie sich wie Tom Cruise in Mission Impossible an einem Seil vom Treppengeländer runterseilen..... 



Wagt es nicht, Männer!



Liebe Grüße von
Sandra

Sonntag, 27. April 2014

Back Home - Zuhause

Zwei Wochen Ferien sind schon wieder vorbei und wir sind heute Nacht  aus dem Urlaub zurück gekommen.


Ich mag Urlaube und Kurztrips. Ich mag es, neue Orte und Menschen kennenzulernen. Und auf jeden Fall auch Altbewährtes zu genießen wie auf Sylt zum Beispiel. Die tolle Luft in den Bergen und an der See genieße ich unglaublich, genauso wie das Großstadtgetümmel, die vielen Geräusche und unendlichen Möglichkeiten. Die Welt ist einfach so unglaublich spannend und vielfältig. Und wenn ich nur daran denke, könnte ich ganz hibbelig werden.

Und am Ende des Urlaubs packt man dann seine Sachen wieder ein, verstaut die Koffer und macht sich auf den Weg zurück. Zurück zum Alltag, zum Bekannten, zur Routine.

Ich freue mich immer sehr auf einen Urlaub, aber auch genauso, wieder nach Hause zu kommen. Heute morgen war es unglaublich spannend zu sehen, wie sehr sich die Pflanzen in den letzten zwei Wochen verändert haben. Wie sie fast explodiert sind. Jetzt ist definitiv richtig Frühling ohne Winterrückkehr. Toll. Liegt es am Alter oder an einem veränderten Bewusstsein, ich habe mich tatsächlich total  darüber gefreut.


Home is where the heart ist..... Zuhause ist, wo mein Herz wohnt. Und das ist im Prinzip überall da, wo ich mit Menschen zusammen bin, die ich liebe. Das ist aber auch definitiv unser Haus/ unser Zuhause, der Ort, den wir lieben und an dem wir total entspannt wir selbst sind.


An dem wir einen verregneten Sonntag lang mit Jogginghose und selbstbestrickten Kuschelsocken rumlaufen und auf dem Sofa mit der ganzen Familie Harry Potter Filme gucken. An dem wir rumliegen und lesen oder den leckersten Spargel vom lokalen Spargelbauern kochen. Der Ort, an dem wir auch jeder für sich und trotzdem irgendwie alle zusammen die Zeit verbringen. Und an dem noch so vieles mehr möglich ist.

Und mit dieser Homebase, der Basis, unserem sicheren Hafen im Rücken, werden wir immer wieder aufbrechen und neue Ufer, neue Länder und Städte kennenlernen. Ich freue mich drauf!

Liebe Grüße von
Sandra

Freitag, 25. April 2014

Organspende - mit ein paar einfachen Klicks zum guten Gefühl



Ich liebe meine Familie über alles. Ich liebe meine Kinder und ich liebe meinen Mann. Und die Vorstellung, dass einem von ihnen etwas passiert, macht mich fast panisch. Mein Leben wäre zu Ende, wenn einer von ihnen sterben würden.


Ich reagiere besorgt, wenn ein Kind unterwegs ist, und ich ein Martinshorn höre. Und wenn wieder einer die Zeit vergessen hat, nicht nach Hause kommt und auch per Handy nicht erreichbar ist, fällt es mir manchmal recht schwer, ganz entspannt zu bleiben.


Natürlich dürfen die Jungs trotzdem alles tun, was sie tun wollen und müssen, um erwachsen zu werden. Ich bin trotz allem der Meinung, sie müssen ihre eigenen Erfahrungen machen, die Welt auf eigene Faust kennenlernen und ich weiß auch, dass sie das schaffen. Meine Gedanken bleiben meine Gedanken..... Und am Ende des Tages sitzt die Familie dann wieder zusammen und alles ist gut.

Aber was wäre, wenn das mal nicht der Fall ist. Ein Augenzwinkern reicht, um alles, was bis dahin die Familie ausgemacht hat, zu zerstören. Eine unbedachte Minute, eine falsche Entscheidung und das Leben wie wir es bisher kennen, ist vorbei. Es tut fast körperlich weh, darüber nachzudenken, aber es hilft ehrlich gesagt auch nicht, es nicht zu tun.

Aber nicht nur Unfälle können unser Leben zerstören, Krankheiten, die lebensbedrohlich sind oder zumindest sehr lebenseinschränkend, sind für Familien ebenfalls eine ganz unmenschlich schwierige Situation.


Ich schiebe solche Gedanken und Szenarien ganz weit weg von mir, aber durch ein Interview in der letzten Woche rückten diese beiden Optionen des Lebens etwas näher und ich habe es endlich geschafft, vier Organspende-Ausweise zu bestellen. Es fällt relativ leicht, in guten Zeiten klare Gedanken zu fassen.

  • Ja, ich möchte, wenn ich schon sterben muss, meine Organe bereitstellen, sollte das möglich sein.
  • Ja, ich möchte das jetzt und selbst entscheiden und meine Familie in einer solchen Ausnahmesituation nicht zusätzlich belasten.
  • Ja, ich bin fest davon überzeugt, dass zuvor alles getan wird, MICH am Leben zu erhalten, und dass niemand leichtfertig mein Leben aufgibt.
  • Ja, es gab Skandale in der letzten Zeit, aber diejenigen, die sich einen der oberen Plätze erkauft haben, standen trotzdem auf der Liste und waren dem Tod geweiht. 
  • Ja, das ist nicht richtig, aber deswegen nicht zu spenden, hilft den Patienten auch nicht.
  • Ja, ich möchte, dass auch meine Kinder ihre Organe spenden.
Denn wir werden mit unseren Organen Leben retten und anderen Menschen helfen können. Wir können dazu beitragen, dass eine andere Frau, ein anderer Mann oder Kinder weiterleben können. Und das ist gut. Das ist sehr gut. Stellen wir uns kurz vor, wir wären in der Situation, ein Spenderorgan zu benötigen. Ich wäre dankbar bis in alle Ewigkeit, wenn mir jemand seines schenken würde.

Dann wäre niemand umsonst gestorben. Und auch, wenn ich eigentlich gar nicht darüber nachdenken möchte, ist das doch ein tröstliches Gefühl. Man muss auch nicht permanent darüber nachdenken, sondern nur ganz kurz. Organspender wird man mit ein paar Klicks im Internet.

  • Ich habe ihn Online bestellt. Man hat im zweiten Schritt die Möglichkeit zwischen einer Pappkarte oder einer Plastikkarte zu wählen. Die Plastikkarte ist wie eine Kreditkarte und erschien mir sehr viel praktischer. Es gibt den Ausweis auch in türkischer und englischer Sprache.
  • Im Internet muss man bezüglich der Organspende nichts ausfüllen. Man trägt nur die Adresse für die Postsendung ein. Es wird nichts gespeichert. 
  • Nach zwei Tagen waren die Blanko-Karten bei uns. Diese füllt man einfach aus.
  • Es ist sinnvoll, die Karten z. B. im Portemonnaie bei sich zu haben.
  • Die Entscheidung, Organe zu spenden ist nicht bindend, wird auf der Seite auch nicht eingegeben und kann jederzeit widerrufen werden, in dem man den Ausweis einfach wegwirft.
Es wird uns also sehr einfach gemacht, Organspender zu werden. Es ist völlig unkompliziert, ist mit ein paar Klicks erledigt und dann kann man das ganze Thema wieder vergessen. Der einzige Unterschied ist nur, dass wir uns jetzt entschieden haben, anderen Menschen mit unserem Tod zu helfen.

Bitte helft auch und werdet ebenfalls Organspender. Solltet Ihr es schon sein, dann wisst Ihr ja genau, wovon ich rede.

Liebe Grüße von
Sandra

Freitag, 4. April 2014

Trauer ist schlimm und lang und komplex. Aber sie gehört zu unserem Leben dazu.

Wir ändern das nicht und deshalb sollten wir lernen, ganz normal damit umzugehen.


Eine Geschichte über meine Trauer und meinen Vater. Und was Ihr daraus lernen könnt.

Als Kind habe ich ihn einfach nur geliebt und genauso akzeptiert, wie er war. Er hat Geschichten von früher erzählt, Geschichten aus Kriegszeiten, als er selber noch Kind war. Vom Leben auf dem Dorf, in der Molkerei, von seinem Schäferhund und seinem Schulleben. Von seinen Jugendjahren, als er mit der Kuh in die Kneipe zum trinken ging und die Schützenfeste in der Umgebung unsicher gemacht hat. Als er mit seinen Freunden Motorrad und Auto gefahren ist und wie es war als sein Bruder bei einem Unfall gestorben ist. Er hatte sogar Fotos von ihm im Sarg und ich fühlte mich sehr mutig, mir diese Fotos anzugucken.


Ich habe es geliebt, diesen Geschichten zuzuhören. Mein Papa als Messdiener, der sich beim Glockenläuten an die Glockenseile gehangen hat und so viel Weihrauch in der Kirche geschwenkt hat, dass er selber davon ohnmächtig geworden ist. Stundenlang konnte ich ihm zuhören.

Er war kein Papa, der stundenlang mit mir auf dem Boden gesessen und gespielt hat, er hat keine Buden mit uns gebaut und nicht mit uns Verstecken gespielt. Er hat eher alte Filme mit uns geguckt und sonntags nachmittags Spiele gespielt. Er hat mir die Bundesliga - Ergebnisse gesagt, während wir beide auf dem Boden vor dem Fernseher gesessen haben, und ich sollte sie in Tabellen eintragen. Ich fand das toll, obwohl ich überhaupt nicht wusste, was ich da tue oder was das bedeuten sollte. 

Er war der Papa, der jeden Abend vor dem Schlafen gehen im Flur noch einen Becher Milch und einen Riegel Schokolade gegessen hat und der auch genauso aussah. Ein bisschen wie im neunten Monat schwanger. Der immer auch lieber dünner gewesen wäre, der aber einfach viel zu gerne und zu viel genossen hat, das Essen und den Wein, um tatsächlich dünn zu sein. Todschick war er trotzdem. Immer.

Er war derjenige, mit dem ich manchmal im Herbst gegen Abend spazieren gegangen bin, um in die erleuchteten Häuser zu gucken und die Pflaumen an den runterhängenden Zweigen aus anderen Gärten zu klauen. Der selten auf Fotos war, weil er immer selbst gerne fotografiert hat und der uns mit dem Satz "Stellt Euch mal da hin" oft wirklich genervt hat. Die Bilder hatten wir immer alle gerne, er war nur nicht mit drauf.

Als Teenager hatten wir nicht immer eine einfache Zeit. Ich war das erste Kind und dann auch noch eine Tochter. Und mein Vater war halt ein Vater. Hätte er ein Gewehr gehabt, er hätte es sicherlich mehr als einmal sehr gerne und ohne mit der Wimper zu zucken benutzt. Er hat sich unendliche Sorgen gemacht, vielleicht auch deshalb, weil er selber immer so ein Feiermeier war und genau wusste, was richtig feiern bedeuten kann. Was soll ich sagen, der Apfel fällt halt nicht so weit vom Stamm. Das wusste er auch und er konnte am nächsten Morgen immer genau sagen, wann ich nach Hause gekommen bin, egal wie leise ich war. "Du warst um 3.42 zuhause" - Es lebe der Digitalwecker.... Wahrscheinlich wollte er mich meistens nur beschützen, aber ich war oft genervt.



Noch öfter wollte er mich aber bestimmt ärgern, zum Beispiel, wenn mir ganz wichtig war, an der Ecke VOR der Schule schon mal einfach rausgelassen zu werden und er immer AUF den Schulhof gefahren ist. Oder als er beim Tanzkurs - Abschlussball während er mit mir getanzt hat, immer aus vollem Hals mitgesungen hat. Laut und schief. Ich wäre unglaublich viele Male gerne einfach mal im Boden versunken. Nachträglich noch mal vielen Dank, Papa! Für Sprüche wie: "Entschuldigung, nichts gegen Ihre Beine, aber Gurken gehören ins Glas!" habe ich ihn aber immer sehr geliebt ;)

Wir haben diskutiert. Über Gott, über Religion, über Hitler, über Politik, über alles. Wir waren selten einer Meinung. Ich habe viel hinterfragt und er hatte seinen festen Standpunkt, aber er war immer ehrlich. Er war zum Beispiel als Kind im dritten Reich nicht politisch, sein Vater mochte die Nazis nicht, aber er fand die Pimpfe-Organisation toll. Weil die schöne Sachen gespielt haben, weil da immer etwas los war. Weil er kein Außenseiter sein wollte. Das konnte ich nachvollziehen. Politisch nicht korrekt, aber menschlich. GLAUBEN heißt NICHT WISSEN ist zum Beispiel so ein Satz, der mir immer noch im Ohr klingt, wenn es um Religion ging.

Ein Studium und zwei Auslandssemester später waren die Reibereien erledigt und wir konnten uns viel mehr auf Augenhöhe begegnen. Eine ganze Zeitlang haben wir sogar zusammen gearbeitet. Wir sind zusammen auf Messen gefahren und haben dort tagsüber gearbeitet und abends zusammen gefeiert. Entweder mit anderen oder wir beide zusammen auf dem Hotelzimmer. Gepflegt betrunken haben wir uns und so gut verstanden, dass nicht nur einmal das Hotelpersonal bestimmt gedacht hat, wir würden uns nur als Vater und Tochter ausgeben. Während langer Autofahrten habe ich von dem Rallye-Altmeister so unglaublich viel über das Autofahren in jeder Lebenslage gelernt, dass ich fast täglich an Weisheiten, Ratschläge und erinnert werde. Auch das böse Schimpfen auf andere Autofahrer hat mir so gut gefallen, dass habe ich direkt übernommen;) Ach, herrlich, wenn man in seinem Käfig so ganz ungeniert laut rumfluchen kann.....

Wir waren zusammen in Wien und konnten uns im Heurigen in Grinzing ganz unglaublich gut mit wildfremden Menschen aus aller Welt unterhalten. Ich konnte die Sprachen, ihm fehlten die Hemmungen. Wir waren ein gutes Team. 



Ich könnte noch so viele Geschichten erzählen, aber der Krebs kam uns dazwischen. Ganz plötzlich und ganz besonders fies und obwohl er schon nach 6 Wochen sterben sollte, hat er tapfer noch 2einhalb Jahre weitergekämpft. Er wollte nämlich nicht besiegt werden. Er hat den Ärzten gezeigt, dass man auch ohne Magen fetten Ochsenschwanz essen kann, und dass man zwar krank, aber dadurch schlank, auch super schicke Sachen in normalen Größen tragen kann.  Und als dann alles zu spät war, da hat der alte Lebemann sogar als fast militanter Nichtraucher, wieder mit dem Rauchen angefangen. Genussmensch durch und durch. 

Und dann ist er gestorben. Heute. Vor 16 Jahren. Mein Papa. 

Nicht einfach so, er war ja sehr krank, aber für mich kam das so plötzlich wie ein Autounfall. Ich dachte, er wird wieder gesund, er schafft das. Vielleicht war es dumm, vielleicht war es Selbstschutz, es war auf jeden Fall wohl die einzige Möglichkeit für mich, mit dieser Situation umzugehen. 

Ich war 28, schon fast 3 Jahre verheiratet und fühlte mich verlassen wie ein kleines Kind. Kurz vor seinem Tod saß ich mit meinem Bruder auf einer Bank gegenüber des Krankenhauses und er sagte, ".... dann sind wir Halbwaisen". Was für ein Wort für zwei erwachsene Menschen. Aber ja, so erwachsen kann man gar nicht sein. Es war so schrecklich und so traurig und wenn ich das jetzt schreibe, sitze ich hier und es ist immer noch genauso schrecklich.



Mein Vater ist nur 63 Jahre alt geworden und ich vermisse ihn unendlich. Immer noch. Die verdammte Zeit heilt da fast überhaupt gar nichts. Ja, ich kann über ihn reden und von ihm erzählen und übernehme jetzt seine Rolle für meine Kinder und erzähle seine Geschichten aus dem Krieg. Aber er kennt meine Kinder nicht. Er kennt mein Zuhause nicht. Er ist kein Teil meines Lebens mehr.  Teil meiner Gedanken ist er immer.

Und ja, natürlich bin ich froh, dass wir eine schöne Zeit zusammen hatten, dafür bin ich auch dankbar, aber ganz ehrlich und verflucht noch mal, warum musste sie denn schon so schnell vorbei sein?

Warum ich Euch das jetzt und heute schreibe? Weil ich mich damals komplett traurig, elendig, hilflos und einsam gefühlt habe. Nicht nur, weil mein Vater gestorben war, sondern auch, weil meine Umwelt so unsicher war, was sie mit mir tun sollte, dass sie sich komplett zurückgezogen hat. Alle haben Karten geschrieben, aber keiner war so richtig für mich da. Keiner hat mal mit mir gesprochen oder mich gedrückt, mit mir von ihm erzählt oder mich zum Lachen gebracht. Die Beerdigung war ein schreckliches aber auch befreiendes Highlight. Da wurde hinterher so richtig schön von ihm erzählt und auf ihn getrunken. So komisch das auch anmutet, aber das war wunderbar und tat echt gut. Aber die Zeit bis dahin und direkt danach war ich allein (mein Mann war natürlich für mich da).



Und deshalb möchte ich Euch heute bitten: wenn jemand in Eurem Umfeld traurig ist, weil ein Mensch gestorben ist oder sehr krank ist, dann stellt Eure eigene Unsicherheit zurück. Behandelt ihn nicht wie aussätzig oder besonders vorsichtig. Verhaltet Euch NORMAL. Geht auf ihn zu und bezieht ihn ein. Entscheiden kann derjenige dann immer noch selbst, was er dann tun möchte. Und wenn Ihr unsicher seid, dann SAGT das einfach. Kümmert Euch nicht um das, was "man" tut oder nicht tut, vielleicht hilft auch laute Musik und Tanzen im Wohnzimmer bis zum Heulkrampf. Oder ein anständiges 'Besäufnis'. Oder auch gar nichts sagen, nur angucken oder drücken. Oder oder oder. Alles ist richtig. Der gute Wille zählt und der Mensch, der trauert. Und der wird dann schon signalisieren, was ihm gut tut. 

Trauer ist ganz unterschiedlich und durchläuft ganz viele Stadien. Und auch nach einem Jahr kann das falsche oder richtige Lied im Radio einen dazu zwingen, am Fahrbandrand anzuhalten, weil man vor lauter Tränen in den Augen nicht mehr weiterfahren kann. Das hört so schnell nicht auf. Die allererste Zeit ist zwar eine Phase der Betäubung und Fassungslosigkeit, aber die richtige tiefe Trauer kommt erst danach. Und in jeder Phase braucht man andere Hilfe und Unterstützung. 

Wichtig ist, dass sich keiner allein fühlen muss. Und dass man das Gefühl hat, es geht um einen selbst. Sätze wie "ich bin so traurig" oder "ich weiß nicht, was ich sagen/tun soll" haben mir nicht geholfen. Ich hatte das Gefühl, es geht gar nicht um mich, sondern um den, der mit mir spricht. Was soll ich damit anfangen? Soll ICH mich jetzt kümmern und Rat geben?  Machen. Und nicht jammern, dass man hilflos ist.

In meinem Umfeld war ich die erste, die in einer so traurigen Situation war und keiner konnte damit so richtig umgehen. Mittlerweile sind wir alle älter geworden, eine Trauerroutine gibt es trotzdem nicht. Aus meiner eigenen Situation habe ich gelernt, dass man auf gar keinen Fall Angst vor der Begegnung mit den Trauernden haben darf, denn das macht ihnen das Leben noch viel schwerer. Sie sind nicht aussätzig und krank, sie sind nur unendlich traurig. Und wir KÖNNEN helfen. Immer. Irgendwie. Ich bin sicher, Ihr habt ganz viel Feingefühl und könnt Eure Familie und Freunde genauso unterstützen, wie sie es brauchen. Macht es einfach. Das ist so gut.

Liebe Grüße von
Sandra

PS: Heute morgen beim Frühstück habe ich meinen Kindern gesagt, dass mein Vater heute Todestag hat. Max hat darauf hin gesagt: "Das ist sehr traurig für Dich, Mama, aber ich weiß gar nicht, was ich da jetzt mit machen soll." "Nichts weiter, Max. Wir gehen heute in die Kapelle und zünden eine Kerze an." 




Mittwoch, 2. April 2014

Back Home..... meine Urlaubs - Erkenntnis

Es tut gut, wegzufahren. Auch mal ganz alleine. Denn wenn man mal nur für sich selbst verantwortlich ist, und nicht gerade in einer Großstadt unterwegs umherstreift, die einen den ganzen Tag lang unterhält, hat man jede Menge Muße, auf sich selbst und sein Leben zu gucken. Fast wie von außen.


Und wenn man dann noch das Glück hat, mit jemandem zu verreisen, den man schon sehr lange kennt, ist es wie ein Geschenk.

Kurz gesagt also: Der Urlaub war wunderbar. Wir haben ganz viel geredet, hatten Masken in den Haaren und Ampullen im Gesicht, haben tolle Filme geguckt und gute Bücher gelesen, haben ganz viel geredet, gestrickt und gesund gegessen. Sind im Schnee gewandert und haben sogar noch die verrückten Skifahrer vom Red Bull Skills Qualifikationsrennen beobachten können.






Und so ganz nebenbei haben sich jede Menge neue Eindrücke ergeben, neue Ideen entwickelt und dank wunderbarer Erholung bin ich jetzt mit viel Tatendrang und einer Erkenntnis, oder eigentlich mit zweien, wieder zu Hause und im Frühling angekommen.



Nämlich zum einen mit der Erkenntnis, dass meine Familie ein wunderbares Geschenk ist. Natürlich weiß ich das eigentlich auch so, aber wenn man mal eine Weile getrennt ist, wird es einem doch noch mal ganz deutlich.


Es ist eine glückliche Fügung, dass ich vor 23! Jahren einen Mann getroffen habe, der die gleichen Ideen vom Leben hatte, an denen wir immer noch zusammen basteln. Erst ohne, jetzt mit Kindern. Es ist ein Geschenk, diese beiden Kinder zu haben, die uns wirklich nicht einfach so in den Schoß gefallen sind....

Es ist wunderbar, dass ich mich in den letzten fast 14 Jahren ausschließlich um die Familie kümmern konnte. Und es ist genauso schön, dass die Kinder dadurch jetzt so gestärkt und selbständig sind, dass ich mich jetzt tatsächlich auch wieder um mich selbst kümmern kann.


Es ist schön, wenn man die Chance hat, sich auf der einen Seite als Familie weiterentwickeln zu können und auf der anderen Seite auch seine eigene Persönlichkeit mit allen Facetten ausleben zu dürfen. Es ist gut, in einer Zeit zu leben, in der uns fast alle Türen offen stehen.



Und vor allem ist es ein Wunder zu sehen, wie aus diesen kleinen Babys, Menschen mit ganz eigenen Persönlichkeiten werden. Wie sie Vorlieben und Meinungen entwickeln und ihren eigenen Platz im Leben suchen und finden.


Ich bin sehr dankbar für diese Woche Urlaub mit einer Herzensfreundin. Und da sind wir dann schon bei der zweiten Erkenntnis. Es ist unglaublich, wie tief Freundschaften aus der Schulzeit sein können. Wie vertraut man sich sein kann, auch wenn man jahrelang gar keinen Kontakt hatte. Die Verbundenheit ist ungebrochen, auch wenn die momentane Lebensweise ganz unterschiedlich ist. Vielleicht, weil man sehr prägende Jahre miteinander verbracht hat und vielleicht auch, weil man als Kind schon sehr gut spürt, wer zu einem passt, auch wenn man die Tragweite noch nicht überblickt.

Egal warum, wir hatten eine schöne Zeit. Mit ganz wunderbaren Gesprächen über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Mit viel Gelächter, das uns die Tränen in die Augen trieb und Themen, die ernster nicht sein könnten. Ich bin dankbar für gute Bücher, Filme und gute Musik und für Helene Fischer, die uns überhaupt nicht in der Seele berührt ;)


Echt Schwein gehabt!

Ganz liebe Grüße von
Sandra

Mittwoch, 19. März 2014

Frühstück auf Abwegen

Mittwoch ist die Mitte der Woche und damit genau der richtige Tag, sich gedanklich schon mal auf das Wochenende einzustellen, oder?! Ich erzähle Euch heute mal von unserem "Sonntags-Frühstück" - nicht konventionell aber herrlich entspannt. Und genau so sollte ein Sonntag doch starten!


Wir frühstücken während der Woche eigentlich jeden Tag zusammen. Daher müssen wir das Wochenende nicht unbedingt für ein gemeinsames Frühstück nutzen. Das gibt uns die Möglichkeit ein bisschen damit zu  schludern. Herrlich, denn alle stehen zu unterschiedlichen Zeiten auf - der Vorteil mit älteren Kindern, die ja gerne auch schon ausschlafen möchten, während die Eltern, die jahrelang superfrüh geweckt wurden, mittlerweile nicht mehr lange schlafen können....


Also hat auch jeder zu unterschiedlicher Zeit Hunger. Die Geburtsstunde unseres "freien Frühstücks". Sehr geliebt und sehr häufig sonntags praktiziert.








Das bedeutet, ich mache das Frühstück, oder das, was es dann gerade gibt, manchmal Waffeln, manchmal Kuchen, Brötchen, Rosinenbrot, etc. Alles wird auf den Küchenblock gestellt, Teller und Besteck dazu, und jeder nimmt sich - buffetartig - was er möchte, und hockt sich auch damit dahin, wo er möchte.


So sitzt also mein Mann zum Beispiel am Esstisch mit einer Sonntags-Zeitung, während eines der Kinder damit im Bett liegt und Hörbuch hört. Einer sitzt auf dem Sofa und guckt Zeitschriften oder Bilderbücher an und ich kuschle meistens auch mit einer Zeitschrift auf dem Sofa oder stricke ein bisschen, dazu leise Loungemusik und leckeren Kaffee. Manchmal stehen die Teller auch im Kinderzimmer auf dem Boden, zwischen Legosteinen und Playmobil oder draußen auf der Terrasse oder oder oder. Ihr habt sicherlich schon selbst ein Bild vor Augen, wo Ihr Eure Frühstücksleckereien außerhalb des Frühstückstisch genießen könntet.


So fängt der Sonntag doch gut an....

An diesem Wochenende gab es dazu diese unglaublichen leckeren Schoko-Croissants, selbst gemacht, eher noch selbst verfeinert in 1,5 Minuten.




Ihr braucht dafür einfach nur Knack&Back Croissants und Nutella. 
Rollt die Croissants auseinander, bestreicht sie mit Nutella. 



Dann rollt Ihr sie gemäß Anweisung auf der Packung und backt sie in der vorgegebenen Zeit im Ofen.





Und schon habt Ihr ein so leckeres wie einfaches Schoko-Croissant gezaubert. Eure Familie wird Euch lieben und Ihr werdet Euch auch selbst begeistert auf die Schulter klopfen können - auf dem Sofa, am Tisch oder im Bett :)

Liebe Grüße von
Sandra

Montag, 3. Februar 2014

Wir begrüßen den Februar wild und gefährlich.....

Manchmal ist so ein Sonntag ein Geschenk, oder? Wir waren gestern seit einigen Jahren mal wieder im Zoo! Als die Kinder klein waren, hatten wir jedes Jahr Jahreskarten. So lange, bis die Kinder gelangweilt waren und uns der Zoo, ehrlich gesagt, zu den Ohren wieder rauskam.


Gestern schien es geradezu perfekt. Die Sonne schien - 9 Grad und Sonne im Februar sind traumhaft. Im Zoo hat sich einiges geändert, viele tolle neue Gehege und Parks sind entstanden und jetzt, wo die Kinder nicht mehr so klein sind, sind die tollen Tiere auch noch mal ganz anders faszinierend. Da muss man nämlich nicht mehr ständig den Kindern die Tiere nahe bringen, sie hochheben und erklären. Das haben die Kinder nämlich alles selber erkundet und gelesen. 


Und wir haben zum einen fasziniert festgestellt, dass der Zoo auch noch mal was für "große" Kinder ist, und zum anderen mal wieder diese unglaublichen Tiere bestaunt. Wer schon mal Auge in Auge (mit nur einem Meter Abstand) mit einem Löwen gestanden hat, der weiß, was ich meine. Auch wenn dieser gar nicht MICH angestarrt hat, sondern das Pony hinter mir, das gerade spazieren geführt wurde!



Ich finde Tiger und Löwen toll, sie sind so majestätisch! Dieser Tiger hier, ist übrigens derjenige, der vor einigen Wochen einen Wärter getötet hat....


Zum Abschluss dann noch ein leckeres Essen und ein unschlagbares Eis in der Stadt, einen Familienfilm und hochgelegte Füße.








Es ist schön, wenn die ganze Familie zufrieden und entspannt ist, wenn alle ausgeschlafen sind und der Teenie mal einen Tag lang die Pubertät vergisst......


Man kann bei uns im Zoo übrigens total viel auf eigene Faust erkunden. Es gibt Themenparks und viele Gehege, in denen man den Tieren ganz nah begegnen kann. Dazu kann man auch eine Rallye durch den Zoo machen, das ist auch eine spannende Alternative. Wir haben auch schon mal einen Kindergeburtstag dort gefeiert. Das ist auch eine tolle Möglichkeit. Die Kinder haben ganz viel gelernt und begeistert mitgemacht. Es ging dabei übrigens nicht nur um die Zootiere, sondern auch um Hasen, Kaninchen und Bienen. Es gibt spezielle Ferienprogramme und andere Programmpunkte. Es lohnt sich also immer mal, das Zooprogramm zu studieren.

Jetzt können die neue Woche und der neue Monat starten - wir sind bereit!



Liebe Grüße von
Sandra