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Montag, 25. November 2013

Alle Jahre wieder ….. der Waldorf-Basar, besucht ihn bloß, wenn Ihr die Möglichkeit habt

Das große Ereignis an der Waldorfschule ist der jährliche Basar, an unserer Schule immer vor dem ersten Advent.




Dafür gibt es extra Arbeitskreise, die sich fast das ganze Jahr damit beschäftigen. Planen, verwalten, vorbereiten, etc. Jedes Jahr gibt es immer die gleichen Programmpunkte, jede Klasse hat immer die gleiche Aufgabe, d. h. die erste Klasse macht immer das Hexenhäuschen, die Zweite immer das Moosgärtlein, und so weiter. Und nein, das ist auf keinen Fall langweilig, denn in jedem Jahr sind es ja immer andere Eltern, die die Aufgaben übernehmen, und so dem ganzen eine persönliche Note geben können. Die Stationen haben sich über Jahre bewährt und sind bei den Kindern und Eltern so beliebt, dass selbst die älteren und fast erwachsenen Kinder immer wieder Spaß daran haben.






Dieses Mal haben alle Kinder in der vorausgehenden Projektwoche noch selber einige Dinge gezaubert, Einkaufsbeutel gebatikt, Vogelhäuschen gebaut, Kalender gemalt, die dann ebenfalls verkauft wurden. Im Kreativkreis sind neue Eltern dazugekommen und haben ihr Wissen und Können mit eingebracht und so gibt es neben Bewährtem auch immer neue Ideen zu bewundern und, na klar, auch zu kaufen. Von dem Salat- und Kuchenbuffet, dass von den Eltern beigesteuert wird, muss ich gar nicht reden, oder? Diese Vielfalt an Leckereien ist immer wieder unglaublich.



Die Stimmung ist super. Und auch, wenn ich persönlich nicht sooo auf den Gipsy-Look stehe, mit 3-4 Röcken, darunter Pumphose, diversen Oberteilen und und und, Ihr wisst, was ich meine, ist das zumindest ein Stil, und das ist so viel mehr als viele andere haben, die völlig stil-LOS durch die Gegend laufen, das mal so am Rande. Und wenn ich auch mit einigen Eltern und Lehrern nicht konform gehe, was das aktuelle Leben angeht, was den Umgang mit Medien angeht, was die Auswahl der Sportarten und Musikinstrumenten angeht, haben doch alle eine Sache gemeinsam: das Wohl der Kinder. Und wie toll, bitte schön, ist das denn? Wer ein Kind auf einer normalen staatlichen weiterführenden Schule hat, so wie wir, weiß, dass das leider absolut nicht selbstverständlich ist. Besonders nicht bei den Lehrern!




Jeder kümmert sich, Jedem ist der andere mit seinen Gedanken und Eigenarten wichtig, Jeder ist gut, wie er ist. Das ist eine schöne Ausgangsstimmung und macht eine sehr gute Lernatmosphäre. Natürlich schützt das nicht vor Streit und Ärger, den gibt es dort genauso wie überall sonst auch mal, und es haben sich auch nicht alle lieb, aber die Grundstimmung ist gut. Und das merkt man einfach!

Wir hatten also einen schönen Basar-Tag! Wenn Ihr auch eine Waldorfschule in der Nähe habt, kann ich Euch nur raten, den dortigen Basar auf jeden Fall zu besuchen. Und wenn Ihr selber Teil einer Waldorfschule seid, wisst Ihr sowieso, was ich meine. Es ist eine rundum schöne Sache.

In der ersten Klasse konnte man durch den Hexenwald im Dunkeln zur Hexe wandern, bekam von ihr ein Lebkuchen......



.... und konnte das Lebkuchenstück dann hinterher selber verzieren. Die meisten Stücke haben es dann nicht mal mehr aus der Tür raus geschafft! Die Kinder haben sie sofort verputzt. Ist aber auch kein Wunder, denn wer durch 20 cm hohes Laub (!) im Dunkeln durch die Tannen gewandert ist, beleuchtet nur von Kerzenlicht, der hat sich das Stück Lebkuchen auch wahrlich verdient.

Die zweite Klasse ist traditionell für das Moosgärtlein zuständig. Man bekommt eine Baumscheibe, auf die ein Stück Ton gedrückt wird und dann können die Kinder nach Herzenslust mit Naturmaterialien und Kerzen dekorieren....




Die dritte und vierte Klasse kümmern sich um das Lagerfeuer und Stockbrot. Hier gibt es auch immer eine leckere Kartoffelsuppe oder warmen Kakao, kann ja nie schaden bei den Temperaturen....






Die Oberstufe hatte ihren eigenen Shop:





Die Kinder können selber Wolle spinnen oder dem Schmied bei der Arbeit zusehen. Sie können die schuleigenen Bauernhoftiere besuchen oder so tolle Angebote wie Seile machen, Kerzen ziehen, Holzschnitzereien wahrnehmen,  Maronen oder Waffeln essen, und und und.









Und heute haben wir dann noch den Film "Fack ju Göhte" angeguckt, was ein Kontrastprogramm, aber der Film war absolut super, genauso wie der Basar. Das Leben ist halt vielfältig und bleibt schön kontrastreich und spannend.

Für heute liebe Grüße und einen guten Wochenstart von
Sandra

Dienstag, 24. September 2013

Das Hausaufgabenthema beschäftigt uns alle! Nachtrag

Ich merke, das Thema Schule und Hausaufgaben lässt Euch genauso wenig kalt wie mich. Es gibt die unterschiedlichsten Erfahrungen und Gedanken zu dem Thema. Vielen von Euch geht es ähnlich wie mir. Aber weil wir uns austauschen können, wird es einfacher, können wir voneinander profitieren. Vielen Dank für Eure zahlreichen Rückmeldungen!

Ich bin zum Beispiel oberbegeistert von dem Spruch, den Rieke mir geschrieben hat: 4 gewinnt. Zuerst musste ich überlegen, denn ich versuchte, das SPIEL irgendwie in meinem Thema unterzubringen..... Jetzt bin ich mir sicher, ich habe es geschnallt und Du hast so recht Rieke!




Hausaufgabentheater kann so belastend sein und den Familienfrieden ernsthaft gefährden. Aber woran liegt das? Sicherlich sind beide Seiten gefragt. Bei uns lag es sicherlich oft an mir, weil ich das Thema zu ernst genommen habe, aber auch an Max. Ich kann da ja nur von meinem Sohn sprechen, aber er hat  einfach jeden Tag den Sinn der Hausaufgaben hinterfragt. Warum soll ich etwas üben, was ich morgens schon verstanden habe. Warum soll ich nachmittags etwas für die Schule tun, wo ich doch schon den ganzen Morgen dort war. Papa arbeitet auch nur im Büro und nicht danach noch zu Hause.

Tja, wie gesagt, ich habe ein diskutierfreudiges Kind ;-) Das habe ich davon, dass ich ihm mit 8 Monaten das erste Buch vorgelesen habe.... Er ist so sprachgewaltig, das macht mich manchmal fertig. Ich spreche hier übrigens bewusst von einem Kind und nicht von Beiden, denn, wie schon erwähnt, gibt es dank der Waldorfpädagogik mit dem zweiten Kind kaum bis gar keinen Stress in der Schule oder danach. Dazu werde ich aber mal einen gesonderten Post schreiben.

Max hat (Gott sei Dank) einen ganz eigenen Kopf mit für ihn logischen Gedanken, die sich nur mir als Mutter und Erwachsene nicht immer gleich erschließen und ganz viel Einfühlungsvermögen bedürfen, um dahinter zu kommen. Ich schreibe Euch das jetzt nicht, um zu jammern, sondern um Euch Mut zu machen, auch mal andere Wege einzuschlagen. Euch zurückzuziehen, eine Weile nicht zu kontrollieren zum Beispiel. Das hätte mir schon so manchen Streit und Sorgen erspart. Ich habe damals mal in der Schule angefragt, ob wir eine andere Regelung finden können, aber die ansonsten tolle Klassenlehrerin wollte keine Ausnahmen machen.

Hier eine Anekdote: Max hat bis zum Schulbeginn so viele Bücher vorgelesen bekommen und angeguckt, dass es Bereiche gab, in denen es keine Kinderliteratur mehr gab und wir ihm Erwachsenen-Bücher gekauft und vorgelesen haben. Wir haben hier in der Familie Bücher als "Nicht-Spielzeug" deklariert, so dass wir immer welche kaufen konnten :) Ich bin fest davon ausgegangen, dass er in der Schule ganz schnell lesen lernt, damit er seinen Wissensdurst nun endlich allein stillen kann, aber dieses Kind hat überhaupt nicht lesen gelernt!!! Totalverweigerung!

Warum? Scheiterte es am Können? Nee, er hatte von einem älteren Freund gehört, dass dieser abends im Bett jetzt alleine liest und da hat er sich gedacht, dass er sich ja in's eigene Fleisch schneidet, wenn er lesen lernt, denn dann würden wir nicht mehr zusammen im Bett kuscheln und lesen vor dem Einschlafen. Also würde er das mal schön lassen. Als ich dahinter gekommen bin und ihm erklärt habe, dass wir doch erst ganz normal vorlesen können wie immer und er anschließend noch ein bisschen alleine liest, hat er innerhalb von ein paar Tagen so flüssig gelesen, dass er den Lesewettbewerb der Klasse gewonnen hat.....



Versteht Ihr, was ich meine? Als ich beim Elternabend der zweiten Klasse gesehen habe, wie fleissig alle Kinder schon in ihrer Lernwerkstatt gearbeitet hatten und Max in seiner Mappe nicht ein einziges Wort, eine einzige Aufgabe geschrieben hatte, habe ich ihn danach gefragt. Mama, hat er gesagt, die Anderen sind doch blöd, erst arbeiten sie so schnell, und wenn sie dann endlich fertig sind, müssen sie noch mehr Aufgaben machen? Das ist doch keine Belohnung sondern Strafe. Ich arbeite so langsam, dass für zusätzliche Aufgaben keine Zeit mehr ist, dann werde ich auch nicht damit bestraft..... Irgendwie hat er ja recht, oder?!



So,  genug zum Thema Hausaufgaben jetzt von meiner Seite.  Ich freue mich, weiter von Euch zu hören, wie Ihr dem Hausaufgaben-Stress aus dem Weg geht, und wie Eure Erfahrungen und Gedanken dazu sind. Ich bin mir sicher, dass unser gewählter Weg für uns richtig ist und geniesse die schönen Stunden mit den Kindern.

Seit einer halben Stunde liegen hier jetzt übrigens beide Kinder mit verschiedenen Krankheiten flach und ich kuschel mich einfach mal ein bisschen dazu. Zur Zeit liegen sie noch in ihren Betten, aber zusammen werden wir jetzt das Sofa unsicher machen, Tee trinken und vorlesen. Vorher muss ich es nur noch wieder beziehen. Morgen kommt doch das Fotoshooting-Team, da habe ich es ganz schnell noch mal gewaschen...... Hätte die Werbeagentur heute morgen um 8.30 anstatt 11.30 angerufen, um mir zu erzählen, dass sie für das Shooting ein Sofa und Sessel ausgeliehen haben, die sie mitbringen, hätte ich mir das vielleicht gespart....



Ich bin jetzt auf jeden Fall total gespannt auf morgen und hoffe, ich kann davon berichten!

Liebe Grüße
Sandra

Samstag, 14. September 2013

Vokabeln abfragen kann viel Spass machen - zumindest MIR

So, die Schule hat wieder angefangen und damit für die Kinder auch leider wieder das lästige, aber doch so wichtige Lernen. In diesem Fall das Vokabeln-Lernen. Wenn Ihr ein Kind habt wie ich, das für jede Minute Lernen 5 Minuten diskutiert, wisst Ihr, wie schrecklich es sein kann, Vokabeln abzufragen. 



Wir haben schon alles ausprobiert, Phase-6, Karteikarten und diverse andere Systeme bishin zu Ignoranz meinerseits..... Alles recht unbefriedigend. Seit einiger Zeit haben wir eine neue Übereinkunft und die funktioniert erstaunlich gut und macht, vor allem mir, höllisch Spaß. Deshalb erzähle ich Euch heute mal davon.




Der Deal ist folgender: er lernt jeden Tag 10 Vokabeln für jede Sprache. Das ist tatsächlich überhaupt nicht viel und inklusive abschreiben sehr schnell erledigt. Die 10 Vokabeln sind unabhängig von den Hausaufgabenvokabeln oder dem Voranschreiten im Unterricht. Immer 10 Vokabeln. Das passt erstaunlicherweise gut, meistens ist er der Klasse etwas voraus.




Am Ende der Woche frage ich die jeweils 40 Vokabeln dann ab, und dann beginnt mein Spaß :)..... Denn immer, wenn er eine Vokabel nicht weiß, versuche ich ein entsprechendes englisches oder französisches Lied zu finden, mit dem ich ihn quälen kann. Das fällt mir, als 80er Mädchen, das in ihrer gesamten Jugend vor dem Plattenspieler und CD-Player gesessen hat, um die Liedtexte auswendig zu lernen, die auf der Platten- oder in der CD-Hülle waren, nicht besonders schwer und quält ihn mit Synthesizer-Pop, Schnulzen oder gar französischen Popgruppen à la Indochine.....



Hahaha, ich habe höllischen Spaß daran, und er versucht dieser Folter durch ordentliches Lernen zu entgehen. Es ist aber erfolgsversprechend, denn seitdem er Anfang der  5. Klasse zum Beispiel mal nicht wusste, was "manchmal" heißt und er sich dafür Erasure mit Sometimes anhören musste, hat er weder das Wort noch das Lied je vergessen, da kann man ihn auch nachts für wecken.....

Was will man mehr, oder?!

Und als Belohnung für ordentliches Lernen verabreden wir am Monatsanfang etwas, was wir dann am Ende zusammen machen. So haben wir zum Schluss alle etwas davon.

Verschmitzte Grüße




Dienstag, 23. Juli 2013

Noten-Zeugnisse - eigentlich nicht zeitgemäss!

Am Freitag gab es Zeugnisse. Ein spannender Tag, nicht nur für die Kinder, ein bisschen auch für mich! Was hat das letzte Schuljahr gebracht? Hätte ich mehr Druck machen müssen oder vielleicht weniger. Sind die Noten schlechter als im vergangenen Jahr, der Durchschnitt schlechter, besser, gleich geblieben. Wie sind neue Fächer aufgenommen worden.... Alles Fragen, die sich natürlich permanent stellen, und die ich ja auch während des Schuljahres schon mitbekomme, nicht in den mündlichen Fächern, aber im Großen und Ganzen ja schon.

Natürlich liege ich nicht schon die Nacht vorher wach und kann nicht schlafen, aber gespannt bin ich schon. Möchte ich den Kindern doch auch ermöglichen, dass sie einen guten Start in ein Leben nach der Schule haben. Das ihnen möglichst viel Türen in der Welt offen stehen, dass sie lernen, worum es im Leben geht.

Aber worum geht es denn eigentlich. Geht es darum, möglichst gute Ergebnisse zu erzielen in der Schule, möglichst gute Noten zu haben, zu Lernen "wie der Hase läuft", auch super schlechte, unfähige  und geradezu sadistische Lehrer als Respektsperson zu akzeptieren und sich von ihnen die Welt erklären zu lassen und permanent klein gemacht zu werden? Ohne Rücksichtnahme auf den jeweiligen Charakter, Entwicklungsphasen und und und. Oder geht es nicht vielleicht viel mehr darum, für's Leben zu lernen? Auf das Leben vorbereitet zu werden, sich selbstbewusst und optimistisch sämtlichen Herausforderungen zu stellen?

Diese Diskussion hatte ich mit den Kindern während einer Autofahrt. Denn wir haben in unserer Familie zwei Schulformen, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite Max, der das klassische staatliche Gymnasium besucht und auf der anderen Seite Felix, der zur Waldorfschule geht. Dort, wo jeder seinen Namen tanzen kann - ja, ja ich weiß - und dort, wo auch jeder stricken und filzen kann. Aber auch dort, wo es keine Noten gibt (zumindest bis Klasse 9), wo man nicht 10 sondern 12 Jahre zur Schule geht, um auch anderen Fächern Raum zu geben und den Kindern den Druck ein wenig zu nehmen.

Als Max ein bisschen das Lästern anfing (Verwunderungen der jeweiligen anderen Schulform gegenüber bleiben auch bei uns nicht aus), dass es ja total einfach ist in Felix' Schule und dass es ja auch keine Noten gibt und jeder machen kann, was er will (die klassische Klischees eben)..... Haben wir noch mal zusammen überlegt: In der Grundschule hatte Max eine tolle Klassenlehrerin, die er sehr gerne gemocht hat und die sein übergrosses Interesse an Politik, Geschichte, Erdkunde, Religion und Musik fördern und fordern konnte. Sie war immer ganz begeistert von seinem Wissen und konnte nicht aufhören zu loben, dass es häufig das Wissen eines Erwachsenen wäre. Jetzt auf dem Gymnasium, hat er vergessen, dass er diese Fächer liebt. Er sieht nur noch die Lehrer, die die Fächer unterrichten, die Pubertät, die wahre Begeisterung vor seinen Klassenkameraden nicht zulässt und am Ende die Note auf dem Zeugnis.

Als wir also darüber gesprochen haben, welche Schule es jetzt "richtig" macht, sind wir am Ende übereinstimmend zu folgender Erkenntnis gekommen:

Warum sollte man lernen, wenn es keine Noten gibt? Wenn einem in der Schule niemand im Nacken sitzt, der Druck ausübt (und das damit auch nicht auf die Eltern übertragen wird)? Letztendlich bleibt einem dann nur die Erkenntnis, dass man es für sich ganz alleine macht. Dass man lernt, weil man den Stoff einfach interessant findet. Weil man als Kind sowieso einen angeborenen Wissensdurst hat, der gestillt werden will.

Unser Felix ist in der staatlichen Grundschule hoffnungslos untergegangen, weil er dem Druck nicht standhalten konnte. Ein offenes, fröhliches Kind ist still geworden und konnte nicht mehr lachen. Seitdem er auf der Waldorfschule ist, ist er wie ausgewechselt. Er ist ist selbstbewusst, kann deutlich seine Meinung äussern und ist wieder der gleiche glückliche Junge wie zu Kindergartenzeiten. Okay, er kann in der dritten Klasse noch nicht wettbewerbsreif lesen, aber er kann schon ganz toll Englisch und Französisch sprechen. Er kann Tiere pflegen und Getreide anbauen, er kann Bibelsprüche auf Hebräisch aufsagen, er kann sich hervorragend um jüngere und behinderte Kinder kümmern und ja, auch seinen und unsere Namen tanzen.

Und wenn noch mal jemand sagt, das man das nicht braucht: Als wir jetzt für die Schwester einer Freundin eine originelle Hochzeits-Glückwunsch-Videobotschaft machen sollten, haben wir zu Bruno Mars' Single "Marry You" einen filmreifen Glückwunsch getanzt ;-). Also, bitte schön!

Zählt das alles nicht? Ist das nicht wert, in unserer Gesellschaft anerkannt zu werden? Es ist ja auch nicht so, dass es auf der Waldorfschule keine Zeugnisse gibt. Am Ende jeden Jahres gibt es ein Zeugnis, das detailliert auf jedes Fach eingeht und dazu noch eine allgemeine Seite. Dieses Zeugnis ist ca. 8 Seiten lang und lässt keine Interpretationsmöglichkeiten. Man kann genau feststellen, was das Kind geschafft hat, wo es noch Bedarf hat. Es erzählt aber auch etwas über die Entwicklung. Es wird auch anerkannt, dass es vielleicht noch nicht perfekt ist in dem Fach, dass es aber schon sehr viel gelernt hat und nur noch ein bisschen mehr Übung braucht. Oder dass es in Französisch schon eine sehr schöne Sprachmelodie hat und sehr gerne mitarbeitet, während es in Englisch, doch auch gerne den Nachbarn unterhält, während die anderen Kinder arbeiten. Da wird im Sportunterricht jede einzelne Einheit aufgezählt und kommentiert. Denn wie aussagekräftig ist z.B. die Notengebung auf dem Gymnasium mit der Bemerkung: "Leistung in Sport wäre 1, insgesamt bekommst Du aber von mir nur eine 3"??? Häh? Warum? Das habe ich bis heute nicht rausfinden können, obwohl das schon ein Jahr her ist. Und am Ende dieser 11 bzw. 12 Jahre Schule steht eine Zentralabschlußprüfung wie an jeder anderen Real- oder Hauptschule auch. Mit dem entsprechenden Abschluß kann man dann überall das Abitur machen. Die Waldorfpädagogen sind allerdings der Meinung, dass die Zeugnisse nicht für die Kinder, sondern für die Eltern gedacht sind. Die Kinder bekommen einen Zeugnisspruch, der sie im nächsten Schuljahr begleiten soll und ihnen Kraft und Motivation sein soll. Ein bisschen spooky, aber es wirkt. Und Noten gibt es dann ab Klasse 9 oder 10, wenn die Kinder alt und reif genug dafür sind.

Mal abgesehen davon, dass nicht jeder Mensch auf dieser Welt einen akademischen Beruf ausüben muss, bin ich mir sicher, dass die Schüler der Waldorfschule auf der Uni mit dem eigenständigen Lernen nicht überfordert sind, denn das haben sie von Anfang an gelernt. Ihre soziale Kompetenz ist sowieso ungeschlagen. Und wenn man sich mal anschaut, welche berühmten und fähigen Menschen unserer Gesellschaft ehemalige Waldorfschüler sind, braucht man eigentlich nicht weiter nachdenken.

Schade, dass die staatlichen Regelschulen sich so wenig auf alternative Lehrmethoden einlassen und dass unser Bildungssystem so eingefahren ist. Das ist wahrscheinlich so wie mit der Schulmedizin und der Homöopathie. Alles Neue macht Angst. Wobei es sich ja weder bei der Homöopathie noch bei der Waldorfpädagogik um etwas Neues handelt. Es wäre doch super, wenn sich die Schulformen aufeinander zubewegen würden, oder? Wenn die Angst überwunden würde und für unsere Kinder das beste aus allen Formen zusammengegeben würde. Wenn sich auch die Kinder mal wieder auf das Lernen und den eventuellen Spass daran konzentrieren könnten, anstatt ständig in Konfrontation mit den Lehrern zu sein, so dass man zu Hause nicht mehr permanenten Stress mit lernverweigernden Teenies und überfordert anrufenden Lehrern hätte.

Bis es soweit ist, versuche ich das Beste aus der Situation zu machen und nehme mir für das nächste Schuljahr mehr Gelassenheit vor.

Entspannte Feriengrüße von